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Objekt des Monats Mai 2021: Karl Farkas serviert

Zum 50. Todestag des großen Kabarettisten und Schauspielers

Berthold Richter: Karl Farkas serviert, Wien, J. Weiner, um 1922/25, 87,5x56 cm, P-227977, Wienbibliothek im Rathaus

Das ausgewählte Plakat bewirbt die Nachtrevue im Kabarett Hölle und zeigt ein Porträt des jungen Künstlers Karl Farkas. Berthold Richter (1881-) präsentiert den Hauptdarsteller als pelzigen Teufel mit Spitzohren. Er trägt eine Kochmütze und präsentiert den Betrachtenden einen gut gefüllten Suppentopf, aus dem Frauenbeine, Notenblätter, ein Saxophon und ein Hofnarrenzepter herausragen. Alles ist bereit, um einen vollen Schöpfer aufzutischen, der Schalk blitzt ihm aus den Augen. Die reduzierte Farbigkeit in rot, grün und schwarz ist der Drucktechnik der Lithographie geschuldet. Für jede weitere Farbe wird eine weitere Platte benötigt und damit sind Mehrkosten verbunden. Der optischen Wirkung tut dies keinen Abbruch.

Karl Farkas wurde am 28. Oktober 1893 in Wien geboren und wuchs mit zwei Schwestern und einem Bruder im neunten Wiener Gemeindebezirk auf. Er besuchte die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien (heute: Universität für Musik und darstellende Kunst) und tingelte in seinen Anfangsjahren durch Mähren und die österreichische Provinz.

Vor rund 100 Jahren wurde er erstmals in Wien engagiert. Die Jahresangaben diesbezüglich variieren, eventuell trat Farkas bereits 1920 in seiner Geburtsstadt auf. Ensemblemitglied im Kabarett Simpl war Farkas ab 1921/22, er wurde unter dem Spitznamen „Die Zecke“ als „Blitzdichter“ bekannt und war mit Fritz Grünbaum in Doppelconférencen zu sehen. In jene Zeit fallen wohl auch seine Auftritte im Kabarett Hölle. Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Grünbaum schlug sich unter anderem in der Doppelbesetzung der Direktion des Wiener Stadttheaters (1926-31) nieder. Farkas übernahm 1927 zusätzlich die künstlerische Leitung des Simpl.

Farkas begab sich 1938 auf die Flucht vor dem NS-Regime. Über die damalige Tschechoslowakei gelangte er zuerst nach Frankreich. Nach einem Fußmarsch über die Pyrenäen nach Spanien im Jahr 1940 glückte ihm von Lissabon aus über Kuba die Einreise in die USA. In New York versuchte er, sich mit Auftritten in Clubs durchzuschlagen. Ab 1943 feierte er als Mitwirkender in der von Robert Stolz arrangierten Operette „The Merry Widow“ (Die lustige Witwe), die einige Monate durch die USA tourte, große Erfolge.

1946 kehrte Farkas nach Wien zurück und trat ab 1950 wieder im Kabarett Simpl auf, das er bis zu seinem Tod am 16. Mai 1971 leitete. Hugo Wiener (ZPH 1654) schrieb für und mit Farkas. Überhaupt liest sich die Besetzung des Simpl-Ensembles unter Farkasʼ Leitung wie das „Who is Who“ des österreichischen Kabaretts der Nachkriegsjahre: Maxi Böhm, Ossy Kolmann, Fritz Muliar, Heinz Conrads (ZPH 694, ZPH 877, ZPH 1198), Cissy Kraner (ZPH 1653) und Ernst Waldbrunn (ZPH 972, ZPH 1742) sind nur einige Künstler, die in der Wienbibliothek mit umfangreichen Beständen vertreten sind.

Der vielbegabte Künstler Farkas verfasste zahlreiche Drehbücher sowie Texte für Revuen, Operetten und das Kabarett, aber auch Gedichte und Prosa. Über die Kunst conferierte er: „Ich mache mir ernstliche Sorgen um die Zukunft der österreichischen Literatur. Schauen Sie, Grillparzer ist tot, Nestroy ist tot – und ich bin auch nicht mehr der Jüngste ... Mit der deutschen Literatur ist es etwas anderes. Aber wir Österreicher unterscheiden uns doch von den Deutschen durch so mancherlei, besonders durch die gleiche Sprache.“

Die Person Karl Farkas schafft den Brückenschlag zu jenen beiden Wienern, denen die diesjährigen Ausstellungen im Kabinett der Wienbibliothek im Rathaus gewidmet sind: Der Schriftsteller und Journalist Felix Salten (ZPH 1681) war ein Onkel mütterlicherseits, der Unterhaltungskünstler und Schauspieler Heinz Conrads ein langjähriger Bühnenpartner.

Weitere Plakate, die die Bandbreite des Schaffens von Karl Farkas anschaulich machen:

          
Mai-Feier ... 1. Mai 1933  /  HA-DE-KO serviert Faschingskrapfen ... Ab 30. Jänner 1948

          
Die süßesten Früchte (1954)  /  50 Jahre im Rampenlicht. Fritz Imhoff. Festveranstaltung zum 70. Geburtstag (1961)

 

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