Sommeröffnungszeiten von Bibliothek und Ausstellungen von 1. Juli bis 30. August 2024
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Loos-Räume

Detail des Speisezimmers. Foto: Herta Hurnaus

Wohnung Bartensteingasse 9/5, 1010 Wien

Wohnung Boskovits 1, gestaltet nach Plänen von Adolf Loos

Der aus Temeswar gebürtige Industrielle Friedrich Boskovits (1863–1936) ließ um 1907 seine neue Wohnung in Wien IX., Frankgasse1/12 vom bekannten Architekten und Designer Adolf Loos (1870–1933) gestalten. Ein Speisezimmer mit Kamin, großer Anrichte sowie massiver Mahagoni-Wandvertäfelung und dekorativem Stuckfries wurde eingerichtet, daran reihten sich ein gestalteter Musiksalon und ein Herrenzimmer mit Kaminnische. Als Friedrich Boskovits und seiner Frau Charlotte aufgrund der Heirat ihrer Tochter Alice mit dem Schweizer Unternehmersohn Hans Otto Wessner die Wohnung in der Frankgasse zu klein wurde, übersiedelte die Familie in die weit größere Wohnung im Mezzanin des Hauses Bartensteingasse 9 in der Nähe des Rathauses. Das Loos’sche Speisezimmer wurde gemeinsam mit vielen Kunst- und Einrichtungsgegenständen aus der Frankgasse in die Bartensteingasse transferiert.

Wohnung Boskovits 2, adaptiert nach Angaben von Adolf Loos

Die Adaptierungsarbeiten waren nach Beratungsgesprächen mit Adolf Loos erfolgt, wie ein in der Wienbibliothek im Rathaus erhaltener Briefwechsel zwischen Adolf Loos und seiner Frau Elsie Altmann-Loos zeigt. Die aufwendigen Umbauarbeiten, die sich durch erhaltene Handwerkerrechnungen minutiös belegen lassen, fanden zwischen Juli und Oktober 1927 statt. Besonderer Wert wurde auf die Übertragung des Speisezimmers gelegt. Die grünsamtigen Sitzmöbel, das große Buffet, Teile der Lambrien, der Stuckfries, der Kamin, der Luster, ja sogar die Teppichböden oder Textiltapeten und Einrichtungsgegenstände für Herrenzimmer und Musiksalon wurden 1927 mitübersiedelt. Noch im selben Jahr führte der Loos-Schüler Felix Augenfeld für die spätere Widerstandskämpferin Muriel Gardiner einen Umbau der Wohnung von Friedrich Boskovits in der Frankgasse durch. Die Familie Boskovits-Wessner lebte bis in die Mitte der 1980er Jahre in der Bartensteingasse 9, wo sich das Architekturjuwel der Wiener Moderne bis heute erhalten hat.

Musiksammlung und Musealisierung als Loos-Räume

Nachdem die Wohnung von der Stadt Wien erworben und restauriert worden war, bezog 1991 die Verwaltung und Benützung der international renommierten Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus in die ehemalige Privatwohnung. Seit 2013 ist ein musealer Rundgang durch die Wohnung möglich: In der für Ringstraßenbauten typischen großzügigen Raumaufteilung bildet das Speisezimmer von Adolf Loos aus dem Jahr 1907 den eindrucksvollen Höhepunkt. Herrenzimmer und Musiksalon werden nach der Verlegung der Leseräume für die Musikalien ins Rathaus als Veranstaltungs- und Vermittlungsräume genutzt. Eine ausführliche Dokumentation der Bauherren- und Wohnungsgeschichte sowie von Leben, Werk und Schriften von Adolf Loos ergänzen das prachtvolle Raumensemble.

Ein weiterer Raum wird für wechselnde Präsentationen von Musikalien, Handschriften und Nachlässen genutzt.

Öffnungszeiten

Ausstellungs- und Loos-Räume

Öffnungszeiten: Die Räume sind an jedem ersten Donnerstag im Monat, 13.00 Uhr bis 19.00 Uhr, sowie auf Anfrage geöffnet (an Feiertagen geschlossen). Eintritt frei!

Führungen: Termine entnehmen Sie bitte unserem Veranstaltungskalender.

Anfragen und Buchungen: Sie können uns telefonisch unter Tel.: +43 1 4000 84920 oder per E-Mail unter post@wienbibliothek.at kontaktieren.

Die Benützung von Musikhandschriften und -drucken erfolgt zentral im Lesesaal der Wienbibliothek im Rathaus.

Publikation

Anhand der Geschichte der Wohnung Bartensteingasse 9, Tür Nummer 5, im ersten Wiener Gemeindebezirk entsteht ein Gesellschaftsporträt Wiens zwischen 1890 und 1938 – eine Stadt der Migration, der wirtschaftlichen Initiative und kulturellen Dynamik. Im Mittelpunkt stehen der Bauherr der Wohnung, der jüdische Industrielle Friedrich Boskovits, und das von Adolf Loos geschaffene Interieur. Ursprünglich für Boskovits’ Wohnung in der Frankgasse 1 entworfen, ließ der Bauherr Möbel und Dekor 1927 in die Bartensteingasse transferieren, in der heute die Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus untergebracht ist. In der Geschichte der beiden Wohnungen und ihrer Loos’schen Einrichtung werden repräsentative großbürgerliche Familien- und Freundschaftsbeziehungen, überraschende Nachbarschaften und intellektuell-künstlerische Netzwerke in ihrer engen Verflochtenheit lesbar.

„Jeder sei sein eigener Dekorateur.“
Zur Geschichte der Loos-Räume in Wien I., Bartensteingasse 9

Hrsg. Sylvia Mattl-Wurm
Wien: Metroverlag 2018
120 Seiten
ISBN 978-3-99300-141-4
EUR 20,-

Erhältlich in der Wienbibliothek im Rathaus.

Präsentation Musikautographen; Herta Hurnaus, Wien
Dokumentation der Bauherren- und Wohnungsgeschichte; Herta Hurnaus, Wien
"Jeder sei sein eigener Dekorateur". Zur Geschichte der Loos-Räume in Wien I, Bartensteingasse 9. Metroverlag 2013
 

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