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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Waltraud Schütz
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Aktuelle Schließzeiten

Am 26. Februar und 14. März schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats Februar 2019: Frauenwahlrecht - "Mütter!! Denkt an Eure toten Söhne"

Atelier George Karau, Mütter!! Denkt an Eure toten Söhne. Wollt Ihr keinen Krieg mehr, so wählt sozialdemokratisch!, 95 x 63 cm Wien, o.D., 1919, WBR, PS, P-267.

Am 16. Februar 1919 war es endlich so weit: Auch die Frauen durften wählen. Nach jahrzehntelangen Bemühungen hatte es ab 1907 ein allgemeines und gleiches Wahlrecht gegeben – allerdings nur für die Männer. Drei Premieren kamen somit an diesem Tag zusammen: Bei der ersten Nationalratswahl der Ersten Republik machten nun erstmals auch die Frauen von ihrem aktiven und passiven Wahlrecht Gebrauch.

Mit Plakaten auf Stimmenfang

Das Werben um die Stimmen der Frauen fand damit auf den Plakaten Niederschlag. Es finden sich zahlreiche Aufrufe zu "Wähler- und Wählerinnen"-Versammlungen, die fast durchgängig zumindest eine Rednerin ankündigten und daran erkennen lassen, wie aktiv die Frauen von ihrem neuen Recht Gebrauch machen wollten und in welchen politischen Parteien sie das auch konnten. Die Plakat-Botschaften richten sich direkt an die "Wähler und Wählerinnen", aber auch exklusiv an die Frauen (P-935, P-1139), dann meist den Wert und die Bedeutung des neuen Rechts ins Zentrum stellend und mit Slogans wie "Erscheinen ist Pflicht!" (P-833) werbend. Dass auf einzelnen Plakaten neben den Frauen auch die Mädchen angesprochen werden, ist als Anwerbung künftiger Wählerinnen zu werten. Die Volljährigkeit war mit 24 Lebensjahren erreicht und wurde mit Beschluss vom 6. Februar 1919 auf 21 Jahre gesenkt.

Die Plakate wurden an Hausmauer geklebt, an den Außenseiten von Lastwagen montiert und bei Kundgebungen auf Tafeln durch die Stadt getragen. Dokumentiert ist dies in Fotografien, die u.a. bis vor kurzem in einer Auswahl in der Ausstellung "Die erkämpfte Republik" im Wien Museum am Karlsplatz (25.10.2018 bis 3.2.2019) zu sehen waren.

Die Plakate von George Karau

Das hier in den Mittelpunkt gestellte Plakat (P-267) ist aufgrund seiner Botschaft in zweierlei Hinsicht von frauenpolitischer Bedeutung: Zum einen dokumentiert sie das von und für die Frauen errungene Wahlrecht. Zum anderen vermittelte sie eine Vorstellung, was 1919 als ein geeignetes Wahlwerbethema exklusiv für die Frauen angesehen wurde. Mit dem Blick des Jahres 2019 mutet sie befremdlich an, verstärkt dadurch, dass es keinen entsprechenden Aufruf an die Väter gab. Das zweite für diesen Wahlkampf von George Karau gestaltete Plakat (P-969) erinnert ebenfalls an die Kriegstoten bzw. an die im Krieg gefallenen Soldaten, spricht dabei aber weder Männer noch Frauen explizit an.

Der Maler, Grafiker, Illustrator und Architekt George Karau (1876 Berlin – 1936 Wien) hatte sich 1914 in Wien niedergelassen und ein Atelier gegründet mit dem er zunächst als Grafiker und Illustrator reüssierte. Von 1922 bis 1924 sollte Karau als Chefarchitekt im Baubüro des Hauptverbandes für das Siedlungswesen arbeiten. Seine Ausbildung hatte er in Berlin und Amsterdam erhalten.

Weiterführende Links

Archiv der Objekte des Monats 2019:

Atelier George Karau,Die Toten rufen! Sind wir umsonst gestorben? Wählt die Sozialdemokraten die zur Freiheit führen!, 95 x 63 cm Wien, o.D., 1919, WBR, PS, P-969.