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Am 25. April sowie am 8., 15. und 16. Mai 2018 schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats April 2011: 150. Geburtstag von Charles Weinberger

Mit Bleistift notierte Gesangsmelodie im Programmheft zu einer Vorstellung der Ägyptischen Helena von Richard Strauss.

Von so manchem Komponisten wird überliefert, er hätte seine musikalischen Einfälle notfalls auf dem erstbesten Stück Papier, das ihm unter die Finger gekommen ist, notiert. Materielle Zeugnisse solch spontaner Kreativität sind allerdings selten. Einer, von dem sich jedoch eine Fülle derartigen Materials erhalten hat, ist der Operettenkomponist Charles Weinberger (1861–1939). Er hat u. a. Briefe, Rechnungen, Kalender, Fahrpläne und einmal auch ein Opernprogrammheft für seine kompositorischen Bedürfnisse zweckentfremdet.

Weinberger, dessen Geburtstag sich am 3. April zum 150. Mal jährt, ist das "Missing Link" zwischen der "goldenen" und der "silbernen" Operettenära, also der Generation um Johann Strauss auf der einen und jener um Franz Lehár (1870–1948) auf der anderen Seite. Einst erfolgreich, hat sich von seinen über 20 Bühnenwerken jedoch keines dauerhaft im Repertoire gehalten. Sein Nachlass wurde 1941 aus dem Besitz der damals unter großem wirtschaftlichen Druck stehenden Witwe des Komponisten, Käthe Weinberger, angekauft. 2002 empfahl die Wiener Rückstellungskommission die Restitution des Nachlasses. Die Rechtsnachfolgerin, Tochter eines Sohnes von Charles Weinberger aus einer früheren Ehe des Komponisten, verzichtete jedoch 2003 auf die Restitution und überließ den Bestand der Wienbibliothek, wofür an dieser Stelle herzlichst gedankt wird.

Das gegenständliche Programmheft wurde zu einer Vorstellung der Ägyptischen Helena von Richard Strauss unter der Leitung des Komponisten ausgegeben. Die Programmhefte der Staatsoper waren damals nicht auf die jeweilige Produktion zugeschnitten, sondern bestanden aus einem über einen längeren Zeitraum hinweg gültigen allgemeinen Teil, in den der aktuelle Theaterzettel eingeheftet wurde. Die im gegenständlichen Exemplar abgebildete Maria Jeritza war die Primadonna assoluta der Wiener Staatsoper. Sie stand zwar nicht in der genannten Vorstellung auf der Bühne, wohl aber in der Wiener Erstaufführung der Ägyptischen Helena am 11. Juni 1928 als Titelfigur.

Der Text, welcher der von Weinberger mit Bleistift notierten Gesangsmelodie unterlegt ist, lautet:
"In der Oper war’s am Abend um drei Viertel Zehn:
Ah, es war, ach ja, wahrhaftig schön,
wie die kleinen Füßchen waren zu seh’n."

Ob Weinberger später in einer seiner vollendeten Kompositionen auf diesen Einfall zurückgegriffen hat, ist nicht bekannt. Fest zu stehen scheint hingegen, dass ihn die künstlerischen Leistungen der Ausführenden an jenem Abend in der Wiener Staatsoper nicht restlos zu fesseln vermochten.

Literaturangabe

Charles Weinberger: "In der Oper war’s am Abend um drei Viertel Zehn..." textierter Melodieentwurf auf einem Programmheft der Wiener Staatsoper vom 6. Februar 1929
20 x 29,5 cm (aufgeschlagen)
Nachlass Charles Weinberger, ZPM 113

Archiv der Objekte des Monats 2011