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Veranstaltungen

Das Editionsprojekt: Johann Pezzl – „Skizze von Wien“

Die „Skizze von Wien“ Johann Pezzls ist alles andere als ein nüchterner Stadtplan. Der Text versucht, die großstädtische Lebenswelt in all ihren Facetten einzufangen, ihren Wandel durch die Aufklärung zu zeigen – und selbst mitzugestalten.

Ausschnitt Ansicht des Kohlmarkts

Zeit und Ort

September 29 2026
Dienstag, 17:00 Uhr

Loos-Räume der Wienbibliothek
Bartensteingasse 9, 1. Stock
1010 Wien

Anmeldung

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Zur Anmeldung

Livestream

Für diese Veranstaltung gibt es keinen Livestream.

Vortrag & Gespräch

Begrüßung:
Katharina Prager
Wienbibliothek im Rathaus

Moderation:
Wolfgang Straub
Wienbibliothek im Rathaus

Vortrag:
Lydia Rammerstorfer
Germanistin
Nobert Christian Wolf
Germanist

Über das Projekt

Das Forschungsvorhaben ediert die vom Aufklärungsschriftsteller Johann Pezzl in den Jahren 1786 bis 1790 herausgegebene „Skizze von Wien“ erstmals wieder in ihrer ursprünglichen historischen Erscheinungsform und Anordnung und kommentiert sie ausführlich (Überblickskommentar und Stellenkommentar). Ziel des in sechs Heften erschienenen, mit Ausnahme des zweiten Hefts durchpaginierten Textes war es, in Anlehnung an Louis‑Sébastien Merciers „Tableau de Paris“ (1781–1789) eine Sozialtopographie „dieses in jedem Betracht merkwürdigen Platzes“ zu entwerfen: der damals mit Abstand größten Stadt des deutschsprachigen Raums und der drittgrößten Stadt Europas. Insofern kann der Text als erste Großstadtbeschreibung in deutscher Sprache gelten.

Pezzls Blick auf die Stadt ist dabei von einer erstaunlichen Modernität geprägt und nimmt in vielfacher Hinsicht Verfahren vorweg, die erst im 20. Jahrhundert prägend werden. Anders als seine an der geografischen Dokumentation der Stadt interessierten Vorläufer entwirft er ein vielschichtiges, lebendiges Panorama Wiens um 1800. Er beschreibt soziale Einrichtungen, Kulturinstitutionen und progressive Reformen ebenso wie Unterhaltungs- und Frömmigkeitskultur, Badewesen und Weinbau, Zeitungen, Klatsch und Tratsch. Charakteristisch ist dabei das unvermittelte Nebeneinander von Ernstem und Kuriosem: Gesundheitsmaßnahmen der josephinischen Aufklärung stehen neben dem Boom des Malzkaffees, Eisbaden neben Fragen der Prostitution, improvisierte Limonadenhütten auf innerstädtischen Märkten neben dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses.

Diese Vielfalt findet ihre Entsprechung auch in der formalen Anlage des Textes. In einer Abfolge kurzer, thematisch heterogener Kapitel wird das Nebeneinander der modernen Metropole literarisch sichtbar gemacht. Vielfalt ist nicht nur Gegenstand der Darstellung, sondern zugleich ihr Strukturprinzip.

Im Rahmen der Forschungswerkstatt unternehmen wir auf den Spuren Pezzls einen Spaziergang durch das historische Wien um 1800. Er führt, ganz im Sinne des Textes, durch heterogene Orte und Institutionen der Stadt – mit dem Ziel einer gemeinsamen Erkundung der urbanen Vielfalt Wiens auf dem Weg in die Moderne.

Beitragsbild:

Carl Schütz (Künstler), Artaria & Co. Verlag (Verlag), "Ansicht des Kohlmarkts" / "Vue du Kohlmarkt" (1. Etat), 1786, Wien Museum Inv.-Nr. 185800, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/13643/)