Die Aufnahme der schwer unterernährten Kinder in tausenden Familien in halb Europa war Teil der zeitgenössisch als „gigantisch“ beschriebenen internationalen Hilfe für Wien. In Dänemark, Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Portugal oder Spanien verbrachten sie Monate, Jahre – manche blieben sogar ihr ganzes Leben. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die ehemals „verschickten“ Kinder und ihre Erinnerungen, die anders als im öffentlichen Gedächtnis bis heute im Privaten intensiv gepflegt werden. Davon zeugen sorgsam aufbewahrte Fotos, Zeichnungen, Spielsachen, Reisekoffer, Briefe oder Tagebücher.
Sie berichten von Heimweh und Fremdheitserfahrungen, von Sprach-, Religions- und Kulturwechsel, aber auch von neuer Geborgenheit, langjährigen Bindungen und engen Freundschaften. Sie stellen traditionelle Konzepte von Familie, Herkunft und Zugehörigkeit in Frage und bieten Narrative, die direkt an der Komplexität einer diversen gegenwärtigen Stadtgesellschaft anknüpfen.
Die Ausstellung geht aus dem Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Wienerbørn. Die internationale Hilfe für die Wiener Kinder nach 1945“ hervor, das im Rahmen des Calls „Zeitgemäße Formen des Erinnerns“ von der Stadt Wien Kultur gefördert wurde.
Ausstellungskurator*innen
Bernhard Hachleitner
Katrin Pilz (Verein Einküchenhaus)
Werner Michael Schwarz