Marie Franzos (1870–1941) war zu Lebzeiten eine anerkannte Übersetzerin. Obwohl sie nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit geriet, werden einige ihrer Übersetzungen heute noch immer gedruckt. Im deutschsprachigen Raum spielte Franzos außerdem eine zentrale Rolle bei der Etablierung schwedischer Schriftsteller:innen. In der Dissertation werden die Beziehungen zu einigen der übersetzten Autor:innen – wie Ellen Key (1849–1926), Selma Lagerlöf (1858–1940) und Per Hallström (1866–1960) – eingehend untersucht.
Das Dissertationsprojekt nähert sich Franzos’ Übersetzungstätigkeit aus drei Perspektiven: der extratextuellen (ihrer sozialen Rolle), der paratextuellen (Aussagen über ihr Übersetzungsverfahren und ihrem Einfluss auf die Übersetzungsrezeption) und der textuellen (Übersetzungsanalyse). Als methodischen Rahmen nutzt die Arbeit das Konzept der biographies croisées, das individuelle Lebensläufe im Austausch mit historischen Kontexten und transnationalen Beziehungen begreift. Auf Basis von Korrespondenzen, der Tagespresse und Zivilstandsregistern wird Franzos’ Werdegang als Übersetzerin nachgezeichnet – von ihrer beruflichen Sozialisation bis zur Herausbildung einer translatorischen Identität. In der paratextuellen Analyse werden zudem Hypothesen über ihre Übersetzungsstrategien entwickelt und in einer vergleichenden Textanalyse überprüft. Die Ergebnisse zeigen eine Übersetzerin, die ausgangstextorientiert arbeitete und zugleich die Erwartungen ihres Zielpublikums im Blick behielt – eine Balance, die ihren langanhaltenden Erfolg unter anderem erklärt.
Bildnachweis: Schwedische Nationalbibliothek, Sign. HS L41b:17:6:3 | Ellen Keys Sammlung, Zusatz, ausländische Porträts