Es war im Jahr 1844, als Betty Bury ihr erstes eigenes Konzert veranstaltete – im alten Gebäude des Musikvereins, das sich auf der Tuchlauben 12/Brandstätte 10 befand. Als Absolventin des Konservatoriums der Gesellschaft für Musikfreunde war die 1827 geborene Sängerin zu diesem Zeitpunkt für das Wiener Publikum keine Unbekannte mehr: Infolge zahlreicher Auftritte in Konzerten, sogenannten „musikalischen Akademien“ und „Concert spirituells“, sowie Hochämtern in der Kirche war sie für ihre schöne Altstimme bekannt.
Früh reihte sich ein Komponist unter ihre Bewunderer, der heute im Schatten von Größen wie Franz Schubert und Hugo Wolf wenig Beachtung findet: der Liedkomponist Josef Dessauer (1798–1876). Dieser schuf bereits 1847 eigens Werke für das jährliche Konzert der Sängerin und sein Repertoire für sie wuchs stetig an. 1851 widmete er ihr gleich sechs Lieder, die sich in dem von der Wienbibliothek im Rathaus erworbenen Liederalbum mit der Goldprägung „Fräulein Betty Bury“ befinden. Auch andere Komponisten wie Johann Vesque von Püttlingen und Gustav Barth waren von der Sängerin angetan und schrieben Lieder für sie. Barths Lieder „Im Schmerze“ und „Nichts ohne Liebe“ sind ebenfalls dem Sammelalbum der Sängerin beigebunden. Erstgenanntes sowie das Lied „Die Nacht“ von Josef Dessauer wurden für ihr Konzert am 28. Februar 1847 komponiert, beide trug sie nachweislich selbst vor. [1]
Wie eng der Austausch zwischen der Sängerin und den Liedkomponisten war, zeigt auch ein Brief Betty Burys an Johann Vesque von Püttlingen, der unter dem Pseudonym Johann Hoven veröffentlichte und dessen Werke sie in ihren Konzerten immer wieder aufgriff. Sie schrieb: „Mit wahrhaftem Bedauern erfüllt es mich, dass es mir nicht gegönnt ist, dass [sic] mir gütigst überlassene Duette in meinem Concert verwenden zu können. Frau v. Hasselt Barth, die sonst eine innige Vertreterin Ihrer Muse und Composition ist, hält das Duette für Ihre Stimmlage zu tief gesetzt.“ Gleich darauf versucht sie zu beschwichtigen, um den Komponisten nicht zu verärgern: „Ich meinerseits gebe Ihnen die Versicherung, dass ich jede Gelegenheit, mit größter Bereitwilligkeit ergreifen werde, um das schwache Organ Ihrer schönen Compositionen zu werden.“ [2]
Die erwähnte Sopranistin Anna Maria Wilhelmine van Hasselt-Barth war eine deutsche Sängerin, die von 1839 bis 1853 dem Kärntnertortheater angehörte und immer wieder gemeinsam mit Betty Bury auf der Bühne stand. 1840 heiratete sie den Komponisten und Pianisten Gustav Barth, von dem sie sich später jedoch wieder scheiden ließ. [3]
Betty Bury war als gefragte Altistin nicht nur mit dem Liedrepertoire vertraut. Auch bei Aufführungen von Oratorien Felix Mendelssohn-Bartholdys konnte sie überzeugen. Dabei sticht besonders ein Konzert heraus: Der Komponist, der für die Aufführung seines Oratoriums „Elias“ zum ersten Mal im November 1847 nach Wien kommen und in der Winterreitschule selbst dirigieren sollte, verstarb plötzlich an einem Schlaganfall. Was ursprünglich als zelebrierte Erstaufführung mit tausend Sängerinnen, Sängern und Instrumentalisten gedacht war, mutierte zu einer skurril inszenierten Totenfeier: Den Solistinnen, Solisten und Chorsängern wurde angetragen, Schwarz zu tragen, während die Chorsängerinnen mit einer schwarzen Schleife um den linken Arm weiß gekleidet waren. Das Dirigierpult wurde schwarz überzogen und mit einem Lorbeerkranz dekoriert. Bevor das Oratorium begann, trug Amalie Weißbach einen Prolog von Ludwig August Frankl zum unerwarteten Tod des Tonkünstlers vor. [4]