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Forschung & Partizipation

Franz Grillparzers Erzählung „Der arme Spielmann“

Eine neue historisch-kritische Edition der Erzählung Franz Grillparzers stellt der Literaturwissenschaft eine authentische Textbasis zur Verfügung.

Handschrift Grillparzer Der Spielmann 1r

Projektinfos

Projekttitel: Franz Grillparzers Erzählung „Der arme Spielmann“

Dauer: 2024 bis 2025

Projektteam: Chao Li (Universität Heidelberg), Roland Reuß (Betreuung, Universität Heidelberg), Felix Christen (Betreuung, Universität Heidelberg) 

Förderung: Friedrich-Naumann-Stiftung, Oriel College (Universität Oxford)

Kooperationspartner*innen: Wienbibliothek im Rathaus, Institut für Textkritik, Kunsthistorisches Museum Wien

Projektbeschreibung

Franz Grillparzers Erzählung „Der arme Spielmann“, die 1847 erstmals in dem von Johann Mailáth herausgegebenen und bei Gustav Heckenast in Pest erschienenen Taschenbuch „Iris. Deutscher Almanach für 1848“ veröffentlicht wurde, gilt insofern als das erste Meisterwerk dieser Gattung überhaupt in der österreichischen Literaturgeschichte, als sie eine große Tradition der österreichischen Erzählliteratur eröffnet, die im 19. Jahrhundert bei Adalbert Stifter ihren Höhepunkt findet und dann im folgenden Jahrhundert über Franz Kafka, Robert Musil, Hermann Broch, Heimito von Doderer und Thomas Bernhard führt. Da der Text einerseits literaturgeschichtlich eine so kanonische und zugleich singuläre Stellung einnimmt, aber andererseits seit der historisch-kritischen Grillparzer-Ausgabe August Sauers und Reinhold Backmanns über nahezu hundert Jahre hinweg keine editorische Pflege erfahren hat, unternimmt die vorliegende historisch-kritische Edition den Versuch, ihn nach den aktuellen editorischen Maßstäben neu zu erschließen und dessen Entstehung en detail und ohne Filterung darzustellen, mit dem Ziel, dass der Grillparzer-Philologie bei der kritischen Auseinandersetzung mit der Erzählung eine authentische Textbasis zur Verfügung steht.

Die Edition folgt streng der Form der Überlieferung. Im Unterschied zu allen bisherigen Grillparzer-Ausgaben, die ausgehend von der Kenntnis der Überlieferungsmaterialien einen gemischten „Spielmann“-Lesetext herstellen, wird hier jeder Überlieferungsträger – sowohl der Erstdruck vom 1847 als auch die drei in Wienbibliothek im Rathaus befindlichen Manuskripte (jeweils unter der Signatur „H.I.N.-82150“, „H.I.N.-82151“ und „H.I.N.-81929“ archiviert) – als individuelle, selbstständige Einheit dargestellt. Der Erstdruck wird in Orthographie und Zeichensetzung getreu wiedergegeben; und die Faksimile-Edition der Handschrift konfrontiert die Abbildungen der „Spielmann“-Manuskripte mit einer diplomatischen Umschrift, die Grillparzers Autograph zeichen- und standgetreu transkribiert. Damit aber die Vergleichbarkeit zugleich erhalten bleibt, werden sowohl der konstituierte Text des Erstdrucks als auch die Transkription der Handschrift mit einer parallelen Seiten- und Zeilenzählung versehen, die es ermöglicht, die entsprechenden Bezüge zwischen verschiedenen Überlieferungsträgern leicht aufzufinden.

Die Edition wird als Band 20 in die vom Institut für Textkritik herausgegebene monographische Reihe „EditionText aufgenommen und voraussichtlich im Frühling 2026 beim Verlag Vittorio Klostermann (Frankfurt am Main) erschienen. Dieser Band wird zugleich als Einleitungsband der neuen historisch-kritischen Ausgabe der sämtlichen Werke und Briefe Grillparzers konzipiert. Sind die institutionellen und organisatorischen Voraussetzungen gegeben, fängt dieses  gesamte Editionsprojekt in den folgenden Jahren an.