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Objekt des Monats November 2011: Hermann Schürrer: Europa ist ein faules Ei

Hermann Schürrer: Europa ist ein faules Ei. Ich setze meinen Kopf dagegen. Signatur: ZPH 788, Archivbox 5.

Zum 25. Todestag des österreichischen Schriftstellers Hermann Schürrer am 29. November 1986

Hermann Schürrers autobiographische Prosa "Europa: Die Toten haben nichts zu lachen", erschien 1971 bei Hanser und wurde 1995, neun Jahre nach seinem Tod, bei Deuticke neu aufgelegt. Schürrer geht es in dem Text um eine Haltung, die auf Eigenverantwortung und Autonomie gegenüber den Großmächten und den Großbegriffen, auch solchen wie "Europa", setzt.

Mit Witz und Wissen begegnet Schürrers Prosa dem Phänomen Europa, wo nicht nur die Toten nichts zu lachen haben, sondern auch die Lebenden vom Katalog abendländischer Bildungsformeln und der Verdrängung der unmittelbaren Geschichte erschlagen werden. Im Rahmen eines autobiographischen Monologs schreibt Schürrer gegen die damalige Geschichtsschreibung sowie die Gegebenheiten europäischer Kultur und Politik an. Parallel zur Prosa arbeitete Schürrer an einem Drehbuch mit dem Titel "Europa ist ein faules Ei. Ich setze meinen Kopf dagegen." Am 7. Juli 1970 stellte er das Projekt in dem griechischen Lokal "Hellas" vor.

Das im Nachlass vorhandene Drehbuch (der Kurzfilm wurde nicht realisiert) verbindet die Inhalte des Buches mit knappen Szenen, in welchen Schürrer selbst auftritt und sein Credo, "Es geht um Ihr Weltbild, nicht um das unserer Väter", kommentiert.

Am 14. Dezember 1928 in Wolfsegg am Hausruck (OÖ) geboren, kam Hermann Schürrer aufgrund von Befehlsverweigerung 1944 ins Gefängnis. 1951 ging er nach Wien, wo er zunächst Geschichte, Englisch, Psychologie, Germanistik und dann Jus studierte. Nach der Relegation von der Universität arbeitete Schürrer bei einem Grafiker, verrichtete Handlangerdienste und kam wegen Amtsehrenbeleidigungen und Widerstandes gegen die Staatsgewalt für zwei Jahre ins Gefängnis und in die Psychiatrie, wo er das Theaterstück "Uniform" verfasste.

Ab dem Jahr 1955 lebte Schürrer als freier Schriftsteller in Wien, Rom, Berlin und München, war manchmal unterstandslos, lebte zeitweise bei seiner Mutter oder Schwester und lieferte viel Stoff zur Legendenbildung des schreibenden Bohémiens, dessen selbstzerstörerisches Leben im Zentrum der Betrachtungen stand. Über sein Werk und den literarischen Nachlass, den die Handschriftensammlung der Wienbibliothek beherbergt, ist bis heute wenig gearbeitet worden, wie einer der wenigen Schürrer-Forscher Robert Menasse in seinem Band "Das war Österreich" (2005) betont.

Archiv der Objekte des Monats 2011