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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Wien Geschichte Wiki

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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Julia Köstenberger
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Am  23. Jänner und 1. Februar schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. Ersatzleseplätze werden zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats Juni 2011: Der letzte "Hetzzettel" des k.k. privilegirten Hetzamphitheaters

Hetzzettel der letzten Vorstellung vom 1. September 1796 aus der Theaterzettel-Sammlung der Wienbibliothek

Tierkämpfe und Tierhetzen zählen zu den unrühmlichen Attraktionen des Vergnügungslebens des 18. Jahrhunderts. So existierten Tierhetztheater an vielen Orten, beispielsweise in Graz, Preßburg, Pest und Regensburg. Dem Wiener Publikum wurde bereits ab 1708 in der Leopoldstadt ein grausames und brutales Tierhetzspektakel geliefert. Bären, Wölfe, Wildschweine, sogar Leoparden oder Löwen wurden dabei von Hetzhunden verfolgt und gerissen.

Das 1755 errichtete "k.k. privilegirte Hetzamphitheater unter den Weißgerbern" war der größte Bau seiner Art, fasste 3000 Zuschauer und bot neben Tierhetzen, auch Darbietungen von Kunstreitern und Seiltänzern. Nach dem Tode des Erbauers und Besitzers, wurde das "Hetzhaus" als drittes Theater, neben dem Hofburgtheater und dem Theater nächst dem Kärntnertore unter die Verwaltung der "k.k. Obersten Theatral-Hofdirektion" gestellt. Das Ende des Hetztheaters kam ganz überraschend am 1. September 1796, als das aus Holz erbaute Gebäude mitsamt den Tieren einem Brand zum Opfer fiel und Kaiser Franz II. daraufhin die Errichtung neuer "Hetzhäuser" untersagte. Heute erinnert neben der "Hetzgasse" im 3. Wiener Gemeindebezirk nur noch die Wiener Redensart "Das war eine Hetz" an die Zeiten des Hetztheaters.

Die Wienbibliothek im Rathaus verwahrt unter der Signatur C 16.361 die Programmzettel des Wiener Hetzamphitheaters – dort befindet sich auch dieser abgebildete Hetzzettel der letzten Vorstellung vom 1. September 1796. Die Hetztheater-Programmzettel sind Bestandteil der umfangreichen Theaterzettel-Sammlung der Wienbibliothek, welche die Besetzungszettel und Programmhefte der Wiener Theaterhäuser akribisch sammelt, da die Theaterzettel eine bedeutsame Quelle der Theater-, Sozial- und Kulturgeschichte eines Ortes darstellen. Zum Quellenwert der Theaterzettel, den derzeitigen Forschungsstand und den Digitalisierungsprojekten findet in der Musiksammlung der Wienbibliothek am 29. und 30. Juni eine Tagung statt.

Archiv der Objekte des Monats 2011