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Der Komponist Max Brand. Visionen, Brüche und die unstillbare Sehnsucht nach der elektronischen Oper

Max Brand und der Synthesizer.

Ort und Zeit

20. Mai 2016 bis 24. Februar 2017 (verlängert!)
Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien

Zur Ausstellung

Als Zeitgenosse von Arnold Schönberg und Kurt Weill war Max Brand (1896–1980) eine Figur zwischen Spätromantik, Futurismus und anbrechendem Elektronikzeitalter. Der Kulturbruch durch die Nationalsozialisten, vor denen er 1937 aus Wien floh und schließlich in Rio de Janeiro landete, setzte einer viel versprechenden Karriere als Opernkomponist ein Ende. 1940 siedelte er sich in New York an, wo er seinen Visionen einer elektronischen Musikmaschine für die Bühne nachging und das Moogtonium, ein an das Mixturtrautonium Oskar Salas angelehnter, von Robert A. Moog gebauter Synthesizer entstand. 1975 kehrte er nach Österreich zurück, wo er seinen Lebensabend in Langenzersdorf verbrachte. Seinen künstlerischen Nachlass vermachte er der Wienbibliothek im Rathaus, die anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums des Max-Brand-Synthesizers (Moogtoniums), mit dessen Bau im Feber 1966 begonnen wurde, in Kooperation mit IMA Institut für Medienarchäologie die gegenständliche Ausstellung zeigt.

KuratorInnen: Elisabeth Schimana und Peter Donhauser, Institut für Medienarchäologie
in Zusammenarbeit mit Thomas Aigner, Wienbibliothek im Rathaus
Ausstellungsarchitektur und Grafik: Markus Reuter

Download Ausstellungs-Folder (PDF, 4 MB)

Max Brand

Stationen eines brüchigen Lebens

Max Brand wurde 1896 in Lemberg (heute Lwiw) geboren und übersiedelte 1907 mit seiner Familie nach Wien. Dort und in Berlin absolvierte er von 1919 bis 1922 ein Kompositionsstudium bei Franz Schreker. Seinen größten Erfolg erzielte Brand mit der 1929 uraufgeführten Oper "Maschinist Hopkins". Vor den Nationalsozialisten floh er 1937 über Prag und die Schweiz nach Rio de Janeiro und wurde 1940 mit seiner Frau Anna in New York sesshaft. Ab 1956 widmete er sich der elektronischen Musik und ging seinen Visionen einer elektronischen Musikmaschine für die Bühne nach. Frustriert vom Ausbleiben künstlerischer Erfolge kehrte Brand 1975 nach Österreich zurück. Seinen Lebensabend verbrachte er in Langenzersdorf und starb 1980 in Maria Gugging.

Frühe Maschinenvisionen und die Oper

1926 visioniert Brand einerseits von einer leeren Bühne, in der nur die Musik der Bühne Leben gibt, andererseits aber von der bewegten Bühne aus Licht und Projektionen, einer polyphonen Bewegung von Dekorationsteilen, Vorhängen, Licht und Klang. Über die Deutung von Musik mittels Bühnenmaschinen schreibt er: "Allein die Möglichkeit, Werke […] unabhängig von der Unpräzision und von menschlicher Unzulänglichkeit wiedergeben zu können, ergibt neue Ausblicke." 1929 kam seine Zeitoper "Maschinist Hopkins“ in Duisburg zur Uraufführung, eine Mischung aus Krimi und Eifersuchtstragödie, kontrastiert mit der Welt der Sachlichkeit der Maschinen. Die Oper erwies sich als Kassenschlager und wurde allein im ersten Jahr 134 Mal aufgeführt. Brands Name war damit schlagartig berühmt.

Auf der Suche nach der perfekten Maschine für die Oper

1956 beginnt Brands ernsthafte Auseinandersetzung mit elektronischer Musik. Bereits 1959 definiert er seine Vision: ein Tonstudio, in dem es möglich ist als Komponist ohne Techniker zu arbeiten, und eine Maschinerie für den Einsatz im Theater. In Zusammenarbeit mit zwei Technikern entstehen die ersten selbstgebauten elektronischen Klangerzeuger, u. a. eine Art optischer Synthesizer mit selbstgezeichneten Kurvenformen. 1966 beginnt Bob Moog für Brand einen an das Mixturtrautonium Oskar Salas angelehnten Synthesizer zu bauen, das Moogtonium. Brand nennt es "Das Projekt", eine Maschinerie aus Moogtonium, synchronen Bandmaschinen, Mixer und Echogeräten für den Einsatz im Theater. Die Arbeit an der Maschinerie zieht sich hin, bleibt unvollendet und die Realisierung seines Traums unerfüllt.

Begleitpublikation

Band 14 der Schriftenreihe zur Musik der Wienbibliothek im Rathaus, mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Illustrationen aus der Wienbibliothek im Rathaus, dem Max Brand Archiv und dem Österreichischen Theatermuseum, erscheint zweisprachig auf Deutsch und Englisch.

Elisabeth Schimana (Hg.): Maschinen für die Oper
Der Komponist Max Brand – Visionen, Brüche und die Realität
Hollitzer Verlag 2016

Begleitveranstaltungen

  • 7. Juni 2016, 14 Uhr: Vortrag Peter Donhauser zum Thema Lichtton, Synthesizer-Workshop mit Gregor Ladenhauf
  • 25. September 2016, 14 Uhr: "Tag des Denkmals": Vortrag Peter Donhauser zur Musikelektronik der 1950er, der Klangsynthese und Max Brand, Synthesizer-Workshop mit Gregor Ladenhauf
  • 1. Oktober 2016, 18 bis 1 Uhr: "Lange Nacht der Museen": IMAnight Labor, DIY Elektronik zum Selberbauen und Konzerte
  • 15. November 2016, 16 Uhr: Synthesizer-Workshop mit Gregor Ladenhauf, anschließend Konzert Patrick Pulsinger
  • 13. Dezember 2016, 19 Uhr: Konzert Wolfgang Musil, Katharina Klement und Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Lehrgang für Computermusik und elektronische Medien
  • 12. Jänner 2017, 19 Uhr: Finissage mit Patrick Pulsinger: "Max brennt!"

Details in unserem Veranstaltungskalender

Führungen

öffentliche Termine in unserem Führungskalender, weitere Termine nach Vereinbarung

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit der Wienbibliothek, Mag.a Suzie Wong
oeffentlichkeitsarbeit [at] wienbibliothek [dot] at (subject: Max%20Brand)
Tel. +43 1 4000 84926

Pressefotos

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Schaltplan für einen VCO von Robert A. Moog
The World Premiere of "The Gate" (1944). Wienbibliothek, Plakatsammlung, P-116107
Uraufführung "Maschinist Hopkins", Duisburg, 1929
Grafische Notation einer Klangstruktur aus der Oper "Adam und Eva", 1961
Klavierauszug "Maschinist Hopkins", Universal-Edition, Wien, 1928
Hans Heinsheimer und Max Brand, Wien, 1932