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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Objekt des Monats April 2016: Die erste First Lady der Zweiten Republik

Karl und Luise Renner in Marienbad. Foto: Hans Lampalzer. Wienbibliothek, Tagblattarchiv, TF-008602

Mit der Bundespräsidentenwahl am 24. April 2016 stehen nicht nur die Weltanschauung und die politischen Ziele der Kandidatin und Kandidaten, sondern auch deren persönliches Umfeld im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Unser Objekt des Monats zeigt die erste "First Lady" (ein Begriff, den es laut Verfassung gar nicht gibt und der erst durch Jacqueline "Jackie" Kennedy allgemein gebräuchlich wurde) der Zweiten Republik, Luise Renner und ihren Mann, den Politiker Karl Renner, bei einem Spaziergang im Kurort Marienbad. Renner selbst schildert in seinen Memoiren "An der Wende zweier Zeiten" (1946) die erste Begegnung mit seiner späteren Frau: Als er 1890 – noch während seiner Militärzeit – für sein geplantes Jus-Studium eine geeignete Wohnung in Wien-Josefstadt suchte, begegnete er "einem brünetten Mädchen mit überaus ausdrucksvollen Augen, edler Nase und einem gewissen selbstbewussten Ernste" und war sofort von ihr "gefesselt". Wie Renner selbst stammte dieses "Mädchen", Luise Stoisits, aus einfachsten Verhältnissen. Mit 16 Jahren war sie aus dem 200-Seelen-Dorf St. Nikolaus bei Güssing zu Verwandten nach Wien übersiedelt und verdiente hier in einem Gasthaus ihren Lebensunterhalt. Bereits 1891 wurde die gemeinsame Tochter Leopoldine geboren.

Karl Renner fand eine Anstellung als "wissenschaftlicher Hilfsarbeiter" im Archiv des Reichsrates. Nachdem er die Katalogisierungsarbeiten in der Parlamentsbibliothek zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erledigt hatte, standen nur mehr die fehlenden Rigorosen und der fehlende Trauschein, sein "sittenwidriges Konkubinat", einer Pragmatisierung im Weg. So promovierte er 1896 zum Dr. iur., und im Februar 1897 führte er seine Luise zum Altar der Weißgerberkirche "ohne alle Form und Festlichkeit, auch ohne sonderliche Seelenbewegung, als eine Selbstverständlichkeit, die eben bei der ersten schicklichen Gelegenheit zu erledigen war."

Karl Renner wurde am 20. Dezember 1945 von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt. Er hatte bereits 1928 und 1931 für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert, war aber beide Male Wilhelm Miklas unterlegen. Luise Renner, die lebhaften Anteil an den politischen Geschäften ihres Mannes nahm, war Mitbegründerin und erste Präsidentin der Volkshilfe. Die beiden blieben sechzig Jahre lang, bis Karl Renners Tod am 31. Dezember 1950, ein Paar.

Das Bild stammt aus dem Fotobestand des sogenannten Tagblattarchivs. An die 14.000 Fotos unterschiedlicher Provenienz, wie etwa den Zeitungsarchiven (Wiener Bilder, Wiener Illustrierte Zeitung) oder der Arbeiterkammer, wurden einzeln gescannt und im Bibliothekskatalog der Wienbibliothek erschlossen.

Quellen

  • Karl Renner: An der Wende zweier Zeiten. Lebenserinnerungen. Wien: Danubia-Verlag 1946
  • Senta Ziegler: Österreichs First Ladies. Von Luise Renner bis Margot Klestil-Löffler. Wien: Überreuter 1999
  • Renner-Museum Gloggnitz: Karl Renner und seine Familie [Stand: 31.03.2016]
  • Wien Geschichte Wiki: Karl Renner [Stand: 31.03.2016]

Archiv der Objekte des Monats 2016