„Rund ein Drittel der Wiener Schulkinder waren unmittelbar nach dem Krieg aufgrund der katastrophalen Versorgungslage hochgradig unterernährt“, so die Ausstellungskurator*innen Bernhard Hachleitner, Katrin Pilz und Werner Michael Schwarz. „Sie litten unter Krankheiten wie Tuberkulose und Rachitis. Die Säuglingssterblichkeit war in Wien eine der höchsten in Europa.“
Die Aufnahme dieser schwer unterversorgten Wiener Kinder in tausenden Familien in Europa war Teil der enormen internationalen Hilfe. In Dänemark, Schweden, Norwegen, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Portugal oder Spanien verbrachten sie Monate, Jahre – manche blieben sogar ihr ganzes Leben.
„Ich weine jetzt nicht mehr!“, schreibt die siebenjährige Wienerin Magda Engelmayr 1949 aus dem belgischen Antwerpen an ihre Mutter zu Hause. Ihre Geschichte und die zahlreicher ehemals „verschickter“ Kinder stehen erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. „In vielen Familien sind die Erinnerungen an diese Zeit sehr wichtig und werden über die Generationen weitergegeben“, erläutern die Kurator*innen. „Während sie im Privaten bis heute intensiv gepflegt werden, sind sie im kollektiven Gedächtnis bisher nur wenig präsent.“
Die in der Schau gezeigten Fotos, Zeichnungen, Reisekoffer, Puppen, Briefe oder Tagebücher sowie audiovisuelle Stationen mit Zeitzeug*innenberichten erzählen von Heimweh und Fremdheitserfahrungen, von Sprach-, Religions- und Kulturwechsel, aber auch von neuer Geborgenheit, langjährigen Bindungen und engen Freundschaften. Sie stellen traditionelle Vorstellungen von Familie, Herkunft und Zugehörigkeit infrage und eröffnen neue Perspektiven auf die vielfältige Lebensrealität der heutigen Stadtgesellschaft.
Die Ausstellung geht aus dem Forschungs- und Vermittlungsprojekt „Wienerbørn. Die internationale Hilfe für die Wiener Kinder nach 1945“ hervor, das im Rahmen des Programms „Zeitgemäße Formen des Erinnerns“ von der Stadt Wien Kultur gefördert wurde.
Mehr Informationen zur Ausstellung „Ich weine jetzt nicht mehr!".
Mehr Infos zu den Kinderverschickungen in und nach den Weltkriegen.
Ausstellung
„Ich weine jetzt nicht mehr!“
Verschickte Kinder und die internationale Hilfe für Wien nach dem Zweiten Weltkrieg
19. November 2026 bis 26. März 2027
Wienbibliothek im Rathaus
Rathaus, Eingang Felderstraße, Stiege 6 (Glaslift), 1. Stock
MO bis DO, 9.00 bis 19.00 Uhr, Freitag, 9.00 bis 17.00 Uhr
Geschlossen: Samstage, Sonntage und Feiertage sowie 24.12 und 31.12.
Verkürzte Öffnungszeiten: 28., 29., 30.12.2026 sowie 4., 5.1.2027 von 9.00 bis 17.00 Uhr
Eintritt frei!
Ausstellungskurator*innen: Bernhard Hachleitner, Katrin Pilz (Verein Einküchenhaus), Werner Michael Schwarz
Ausstellungsgrafik: Olaf Osten
Ausstellungsarchitektur: Alexander Kubik
Ausstellungseröffnung
Mittwoch, 18. November, 18.30 Uhr Wienbibliothek
Begleitprogramm
Von November 2026 bis März 2027 wird es ein Begleit- und Vermittlungsprogramm geben. Alle Führungen (auch mit Zeitzeug*innen) und Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung finden Sie im jeweiligen Kalender auf unserer Website.
Publikation zur Ausstellung
„Ich weine jetzt nicht mehr!“ Verschickte Kinder und die internationale Hilfe für Wien nach dem Zweiten Weltkrieg
Bernhard Hachleitner, Katrin Pilz, Werner Michael Schwarz
Buchgrafik und Ausstellungssujet: Lisa Ifsits
ca. 250 Seiten, 17x24cm, Softcover ISBN 978-3-903478-79-4, EUR 29,–
Erscheinungsdatum: November 2026
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