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Entwurf von Otto Wagner zum Stadtmuseum
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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Julia Köstenberger
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Aktuelle Schließzeiten

Am 25. April sowie am 8., 15. und 16. Mai 2018 schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats September 2016: Joseph Richters "Taschenbuch für Grabennymphen" (1787)

Joseph Richter: Taschenbuch für Grabennymphen auf das Jahr 1787, Signatur Secr-A 761

Viele Geheimnisse der Secreta-Sammlung, die sich in der Wienbibliothek befindet, sind schon entzaubert. Aber noch immer übt die Kollektion große Faszination aus. Ihre Objekte werden nach wie vor für Ausstellungen als Preziositäten gesucht. Kuratorinnen und Kuratoren studieren wochenlang in der Bibliothek einzelne Bestände. So wurden auch in Vorbereitung der großen Ausstellung "Sex in Wien" im Wien Museum die Bücher, Broschüren, Flugblätter, Zeitschriften, Handschriften und Fotos wieder einmal einer genaueren Betrachtung unterzogen. Die Wienbibliothek hat ihrerseits die Sammlung einer Revision unterzogen; einzelne Teile wurden neu katalogisiert und in eine konservatorisch zeitgemäße Ordnung gebracht. Wieder einmal hat die kuriose Entstehungsgeschichte dieser Sammlung, die im Wesentlichen auf den Nachlass des Wiener Zuckerbäckers Eduard Nikola und des Wiener Neustädter Bezirkshauptmannes Felix Batsy zurückgeht, die Forschung beschäftigt.

Die Secreta-Sammlung setzt sich aus sehr heterogenen Teilen aus den vergangenen Jahrhunderten zusammen. Die Wienbibliothek besitzt einen sehr schönen Bestand an Erotika aus der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts. Die österreichische erotische Literatur hält mit ihrem französischen Vorbild zwar nicht Schritt, dennoch kann sie auf eine feine Tradition verweisen, die in der Wienbibliothek auch erhalten ist. An ihrem Anfang stand etwa Joseph Richters "Taschenbuch für Grabennymphen auf das Jahr 1787", das die Prostitution in der Wiener Innenstadt schildert. Aus diesem Werk stammt der gezeigte Kupferstich. Aus dem 19. Jahrhundert wurde "Die Sauglocke" des Biedermeier-Dichters Ignaz Franz Castelli bis in die Gegenwart nachgedruckt. Das berühmteste Exempel aus der österreichischen Literatur ist zweifelsohne der pornographische Roman "Josefine Mutzenbacher oder die Geschichte einer wienerischen Dirne", über dessen Autor nach wie vor gerätselt wird.

Die Wienbibliothek besitzt auch eine Reihe handschriftlich verfasster Bücher, was natürlich den Kreis der Bezieher sehr eingeschränkt hat. Interessant war das Versteckspiel, das die Verleger mit Autoren, Verlagsort und Verlagsnamen betrieben haben. Pseudonyme und pure Erfindungen waren gang und gäbe; als Erscheinungsorte wurde der Vatikan, Moskau oder Peking ausgegeben. Unverfänglicher waren da schon Paris und London als Angaben für den Erscheinungsort. Bücher waren seit dem 18. Jahrhundert auch Transportmedien für Bilder. Die galanten Kupferstecher aus der Rokokozeit gehören zur Geschichte der erotischen Literatur. Im 19. Jahrhundert wurde der Kupferstich zum Teil durch die Fotografie abgelöst. Fotos fanden aber schnell Eingang in Bücher und Zeitschriften, wie die hochwertige Produktion des Wiener "Verlags für Kulturforschung" in den 1920er und 1930er Jahren zeigte.

Literaturangabe

Richter, Joseph (1749-1813): Taschenbuch für Grabennymphen auf das Jahr 1787. - [S.l. Wien]: [s.i.n. Wucherer] 1787. 84 Seiten, 12 Kupferstiche. Anonym erschienen. Wienbibliothek im Rathaus, Druckschriftensammlung, Signatur Secr-A 761. Das Buch wurde 1910, 1982 und 1986 nachgedruckt.

Zum Weiterlesen im Wien Geschichte Wiki

Archiv der Objekte des Monats 2016