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Aktuelle Schließzeiten

Am 25. April sowie am 8., 15. und 16. Mai 2018 schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats Mai 2011: Fritz Hochwälder: Der Himbeerpflücker

Fritz Hochwälder: Der Himbeerpflücker. Typoskript mit eigenhändigen Anmerkungen und Korrekturen.

Im umfangreichen Nachlass von Fritz Hochwälder (1911–1986) finden sich zahlreiche Skizzen, Entwürfe und Manuskripte zur Komödie "Der Himbeerpflücker", die Hochwälder Helmut Qualtinger auf den Leib geschrieben hatte und die 1965 von Erich Neuberg verfilmt wurde. Hochwälder, der 1938 in die Schweiz flüchten musste und nie mehr aus dem Zürcher Exil zurückkehrte, war zu diesem Zeitpunkt mit Erfolgen wie "Das heilige Experiment" oder "Der öffentliche Ankläger" zum "offiziellen" Dramatiker der Zweiten Republik avanciert.

Qualtinger spielt in der Verfilmung des "Himbeerpflückers" den Wirten Steisshäuptl, der während des NS-Regimes mit "zwei Kisten Zahngold" zu den Nutznießern der neuen Herrschaft zählte. Als ein dubioser Gast eintrifft, wird dieser für den so genannten "Himbeerpflücker" gehalten, der seinen Namen daher hat, weil er Häftlinge in den Steinbruch abkommandierte – Himbeeren sammeln, Zusatznahrung – und dann einen nach dem anderen erschoss.

Vorliegendes Blatt ist ein Beispiel für die zahlreichen Varianten, die Hochwälder im Entwickeln seiner Texte produzierte. Das Manuskript zeigt Umarbeitungen, Einschübe, Striche und gibt auf vielen Ebenen Auskunft über die Textgenese der Komödie. So nannte Hochwälder den Schauplatz des Dramas, den Gasthof Steisshäuptls, ursprünglich "Zur blauen Sau", dann "Zur neuen Himbeere" und schließlich – ganz dem Selbstverständnis der Figur entsprechend "Das weiße Lamm". Allein aus der Unverhältnismäßigkeit des Namens der Gastwirtschaft und dem Erscheinungsbild Qualtingers resultiert jene Komik, um die Hochwälder, der sich in der Nachfolge der Alt-Wiener Volkstheaters sah, stets bemüht war. Zugleich ist "Der Himbeerpflücker" eine bitterböse Anklage gegen das Schweigen und Vertuschen der Verbrechen des NS-Regimes sowie gegen die Korruptheit jener, die davon profitierten.

Der Film "Der Himbeerpflücker" ist während der Tagung "Politisierung des Guten. Fritz Hochwälder zum 100. Geburtstag" am 27. Mai 2011 um 18.30 Uhr im Studio des Filmarchiv Austria zu sehen.

Literaturangabe

Fritz Hochwälder: Der Himbeerpflücker. Typoskript mit eigenhändigen Anmerkungen und Korrekturen. Signatur: ZPH 678, Archivbox 7

Archiv der Objekte des Monats 2011