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Am 25. April sowie am 8., 15. und 16. Mai 2018 schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung um 17 Uhr. (Musik-)Handschriften und Nachlässe können deswegen nur bis 17 Uhr benützt werden. Für die restlichen Bestände werden Ersatzleseplätze zur Verfügung gestellt.

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Objekt des Monats September 2009: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen

Josef Matthias Hauer: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen, Herrn Bürgermeister Dr. Theodor Körner zugeeignet (Mai 1950). Wienbibliothek, MH 9701

Vor fünfzig Jahren starb Josef Matthias Hauer (1883–1959), der unabhängig von Arnold Schönberg und sogar einige Jahre vor diesem zur Komposition von Zwölftonmusik gelangte. Die Musiksammlung besitzt einen beachtlichen Bestand an Notenautographen Hauers, der erst heuer wieder erweitert werden konnte. Das Objekt des Monats wurde allerdings bereits 1950 vom damaligen Bürgermeister Theodor Körner, dem nachmaligen Bundespräsidenten, der Wienbibliothek übergeben.

Im Zuge der Hervorbringung eines neuen Musikwerks notiert Hauer jeweils einen "melischen Entwurf". Dabei bedient er sich einer von ihm entwickelten Zwölfton-Notenschrift, die sich von der Klaviertastatur ableitet und ohne die in der herkömmlichen Notenschrift gebräuchlichen Vorzeichen auskommt. Mit Hilfe von farbigen Linien stellt Hauer das Geflecht eines vierstimmigen Satzes dar, das er jeder seiner Kompositionen zugrunde legt, unabhängig von der Zahl der ausführenden Instrumente. Erst auf dieser Basis erfolgt die eigentliche Partitur-Niederschrift in der herkömmlichen Notationsweise.

Besonders strenge Regeln erlegt sich Hauer in seiner ab 1940 einsetzenden dritten und letzten Schaffensphase auf, in der er seine musikalischen Schöpfungen ausschließlich Zwölftonspiel betitelt. Er sieht sich mehr als "Deuter" denn als Komponist im herkömmlichen Sinn; in den von ihm bloß "entdeckten" Gesetzmäßigkeiten sieht er ein der Welt zugrunde liegendes allgemein geistiges Prinzip:

"Der Weltenbaumeister hat von Ewigkeit her die absolute Musik ein für allemal komponiert, vollkommen vollendet. Wir Menschenkinder bemühen uns im Laufe eines Kulturäons, diese göttliche Sprache zu erlernen. Das Zwölftonspiel regelt die physiologischen Voraussetzungen der reinen Intuition, die es allein ermöglicht, die ewige unveränderliche absolute Musik als Offenbarung der Weltordnung zu vernehmen. Die absolute, die kosmische Musik gestattet den tiefsten Einblick in das Weltgeschehen. Die Töne mit ihren Obertönen sind Sonnen mit ihren Planeten. Die Sonnensysteme 'temperieren' einander, ihre Spannungen ordnen sich mit zwingender Notwendigkeit zur Sphärenharmonie. Die Sprache des Weltenschöpfers ist die Kunst der Künste, die Wissenschaft der Wissenschaften, das Heiligste, Geistigste, Wertvollste auf der Welt, die Musik, die aber voll zu unterscheiden ist von den bloßen Musikantenideen der Tonmalerei und symphonischen Dichtung".

Vom weltverbessernden Charakter der Zwölftonmusik überzeugt sandte Hauer wiederholt Proben seines Schaffens an namhafte Politiker, so ein im Mai 1950 entstandenes Zwölftonspiel für fünf Violinen an den damaligen Wiener Bürgermeister und nachmaligen Bundespräsidenten Theodor Körner. Zur Erklärung fügte er das oben zitierte Manifest bei.

Das besagte Zwölftonspiel ist im Original in einer Kleinausstellung der Musiksammlung zu sehen, die am 21. September, dem Vorabend des 50. Todestags von Hauer, im Rahmen einer Gedenkveranstaltung eröffnet wird.

Archiv der Objekte des Monats 2009