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Beethoven und seine Verleger - Mehr erzählt

Wienbibliothek ON AIR

Ausstellung Beethoven und seine Verleger, Begleitveranstaltung

Wienbibliothek ON AIR im Juli

Oft haben Objekte mehr zu erzählen als es auf den ersten Blick in einer Vitrine erscheint. Das gilt vor allem bei Briefen, Notizen, aber auch bei gedruckten Werken und Texten. Hinter den Dingen verbergen sich Geschichten und Geschichte, die oftmals kulturhistorischen Kontext benötigen, um richtig spannend zu sein.

Die Ausstellung "Beethoven und seine Verleger" zeigt seit 28. Februar bis 20. November die Kommunikation zwischen Beethoven und seinen Verlegern auf Basis der Briefe, die in der Wienbibliothek im Rathaus bewahrt werden. Sie bilden zusammen mit einer Auswahl an Kompositionen Beethovens sowie zahlreichen Erst- und Frühausgaben den Kern der Ausstellung zum Beethoven-Gedenkjahr 2020. Außerdem gibt die Ausstellung Einblicke in die Lebensumstände einer ambivalenten Künstlerpersönlichkeit und zeigt einen Grenzgänger zwischen höchsten künstlerischen Idealen und den Erfordernissen des Alltags. Mit 6. Juli 2020 kann die Ausstellung, nach der Schließung in Zusammenhang mit den Covid-19-Schutzmaßnahmen vom 16. März 2020, wieder besucht werden.

Montag bis Freitag 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr
Wienbibliothek, Musiksammlung (Loos-Räume)
1., Bartensteingasse 9, 1. Stock
Freier Eintritt!

 

Damit die wundervollen Zeugnisse Beethovens, die wir in der Ausstellung "Beethoven und seine Verleger" zeigen, ihre jeweiligen Inhalte weitergeben können, spricht der Kurator Thomas Aigner in 7 Videos über ausgewählte Objekte und ihre Geschichte. Thema sind die präsentierten Autographe und ihre Autoren, Ludwig van Beethoven und seine Eigenheiten, seine humorvolle Art des Kommunizierens sowie die Hintergründe des Musik-Verlagswesens dieser Zeit. In jeweils ca. 5 Minuten erfahren Sie Einzelheiten, die das Original noch eindrucksvoller erscheinen lassen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Begleitprogramm und Ausstellung "Beethoven und seine Verleger".

Konzept und Regie: Maren Waffenschmid, Thomas Aigner
mit: Thomas Aigner
Kamera und Schnitt: Manfred Asperger / W24

 

Folge 1:

Beethoven und seine Verleger die Anfänge der Ausstellung

In unserer ersten Folge widmen wir uns zunächst der Frage, wie es zu einer Ausstellung über "Beethoven und seine Verleger" kam und welche Entdeckungen zu Beethoven in der Wienbibliothek im Rathaus gemacht werden können.

 

Folge 2:

"Hol euch der Teufel, behüt euch Gott" Aufgaben eines Verlegers

In der zweiten Folge geht es um die prinzipiellen Aufgaben eines Verlagshauses in der damaligen Zeit sowie um das Verhältnis zwischen Ludwig van Beethoven und seinen Verlagsvertrauten.

Ludwig van Beethoven, der im Zuge seines zweiten Studienaufhaltes 1792 seinen Wohnsitz dauerhaft von Bonn nach Wien verlegte, arbeitete während seines Schaffens mit einigen Verlagen zusammen - Breitkopf & Härte sowie Hoffmeister & Kühnel in Leipzig, Schott & Söhne in Mainz, Robert Birchall in London und natürlich Artaria & Comp. sowie Steiner & Haslinger in Wien. Nicht nur mit Wiener Verlegern stand Beethoven deshalb in regem Brief-Kontakt.

Thomas Aigner erzählt in dieser Folge über die Zeugnisse dieser Verbindungen und welche Aufgaben Verleger zu jener Zeit übernahmen.

 

Folge 3:

Der Streit ums Streichquintett

Zu Beethovens Zeit lebten Komponisten von Zuwendungen durch Mäzene, Honorare von Widmungen und vom Einmal-Verkauf der Werke an Verlage. Die Verlagshäuser veröffentlichten die Kompositionen als einzelne Stimmen, teilweise (aber selten) als Partituren und vor allem als Klavierfassungen, die besonders gern gekauft wurden. Es kam jedoch nicht selten vor, dass die Werke von verschiedenen Verlagshäusern mehrfach verlegt wurden - meist in sehr unterschiedlicher Qualität, da jede Korrektur Zeit, Ressourcen und damit Geld kostete. Da das Urheberrecht zur damaligen Zeit noch nicht eindeutig geklärt war, kursierten sogenannte Raubdrucke.

Beethoven sprach sich vehement gegen nicht autorisierte Nachdrucke, aber auch fehlerhafte Werke aus. Das führte, neben einer fehlenden Kommunikation zwischen Mäzen und Komponisten über den Verkauf des Werks, zum Rechtsstreit um das Streichquintett op. 29. Graf von Fries hatte nämlich Artaria die Rechte an seinem Widmungsexemplar verkauft, während Beethoven nach Ablauf des festgelegten Exklusivrechts die Komposition bereits Breitkopf & Härtel angeboten hatte.

In dieser Folge spricht Thomas Aigner über die Hintergründe zu den Streitigkeiten, Beethovens öffentliche Stellungnahme und der vermeintlichen Beilegung des Streits.

 

Folge 4:

Beethovens Wunsch nach Genauigkeit

Bei der Drucklegung seiner Noten war Beethoven sehr akribisch. Die Korrekturschleifen umfassten oft einige Briefwechsel und nicht selten war der Komponist in seiner Wortwahl gegenüber seinen Verlegern und deren Team abivalent, aufbrausend, ungeduldig und pedantisch, aber auch freundlich-freundschaftlich.

1816 schreibt er beispielsweise in einem Billet an Siegmund Anton Steiner: "Es gehört sich wie jetzt anzuziegen dem Autor, wann die Sachen für gewiss herauskommen sollen und ohne sein vorhergegangenes eingholtes Veto nichts herausgehe. Wenn sich aber Menschen herausnehmen zu sagen, daß es keiner correctur mehr braucht, die nicht genug davon verstehn, so kann der Autor nicht mit dem Prügel dreinschlagen, da dieses das Amt des Büttels ist".

In dieser vierten Folge erklärt Thomas Aigner die Hintergründe zu den Abläufen damaliger Druckweisen und wie man sich als Verleger Beethovens Unmut zuziehen konnte.

 

Folge 5:

Beethovens Deutsche Verleger

Beethoven hatte auch in Deutschland einige Verleger. Die Aussage "... auch habe ich auf jede Sache 6, 7 Verleger und noch mehr, wenn ich mir's angelegen sein lassen will" zeigt, dass Ludwig van Beethoven sich über die Wichtigkeit des Konkurrenzdrucks im Zusammenhang mit dem Verkauf seiner Werke bewusst war.

Bei der Missa Solemnis, die Beethoven als sein bedeutendstes Werk ansah, unternahm er komplexe Verkaufsbemühungen. Er bot das Werk mehreren Verlegern an und lies zusätzlich von seinen eigenen Kopisten Abschriften herstellen, die er europäischen Fürstenhöfen anbot. Letzendlich wurde die Komposition von der Mainzer Firma Schott & Söhne verlegt, die gleichzeitig mehrere Werke erwarb.

Auch die Ouvertüre "Weihe des Hauses" wurde während diesen Verhandlungen vom Verlag gekauft. Das Werk entstand zur Wiedereröffnung des Josefstädter Theaters im Oktober 1822 und ist eine Adaption des früheren Werks "Die Ruinen von Athen". In der Wienbiblitohek im Rathaus wird das Originalmanuskript bewahrt.

Thomas Aigner berichtet in dieser Folge über die deutschen Verleger und die Verkaufstaktiken Beethovens.

 

Folge 6:

Nachlassversteigerung

Beethovens Nachlass wurde am 5. Mai 1827 öffentlich vesteigert. Er hinterließ eine umfangreiche Noten- und Büchersammlung. Neben seiner Bibliothek, die heute vom Beethoven-Haus in Bonn rekonstruiert wird, werden im -  für die Versteigerung angefertigten - Nachlassverzeichniss auch seine gebundenen Skizzenbücher aufgeführt.

In der Hoffnung, unbekannte Werke in den Notizen zu entdecken, waren bei der Versteigerung etliche Verlage anwesend, darunter auch der Verlag von Domenico Artaria. Im April 1829 wurden drei postum erschienene Klavierquartette Beethovens in den von der Kunsthandlung Artaria und Co. gesammelten Zeitungsausschnitten beworben.

Diese sechste Folge behandelt die Wichtigkeit der Nachlassversteigerungen für Verleger. Außerdem erzählt Thomas Aigner ein wenig mehr über den Tod Ludwig van Beethovens.

 

Folge 7:

Die Vision von Gesamtausgaben

"... es sollte nur ein Maganzin der Kunst in der Welt seyn, wo der Künstler seine Kunstwerke nur hinzugeben hätte, um zu nehmen, was er brauchte." schrieb Ludwig van Beethoven an Franz Anton Hoffmeister im Jänner 1801.

Beethoven war es wichtig, als Künstler frei und unabhängig arbeiten zu können. Denn die besonderen historischen Umstände während Beethovens Zeit in Wien machten das Leben teuer. Finanzielle Belastungen erfuhr Beethoven vor allem durch die Besetzung Wiens durch Napoleons Truppen, da die Kosten für Lebensmittel stiegen. Auch die Inflation und damit die Entwertung des Papiergeldes brachte den Komponisten in finanzielle Nöte.

Da ihm durch seine Schwerhörigkeit das zweite berufliche Standbein eines ausübenden Künstlers zunehmend verwehrt wurde, entfielen zusätzliche Einnahmequellen. Die Honorare durch die Verleger waren für Beethoven somit überlebensnotwendig. Doch diese brachten einen hohen administrativen Aufwand mit sich.

In der letzten Folge berichtet Thomas Aigner, wie Beethovens Vision von Gesamtausgaben verwirklicht wurden.