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Tagung "Feuer, Feuer überall! / Narren, Narren ohne Zahl!"

Beiträge zur Aufführungs- und Interpretationsgeschichte des 30jährigen ABC-Schütz. Eine Tagung zu Text, Musik und szenischer Praxis im Wiener Volkstheater

25. Juni 2010, 9 bis 16 Uhr
Wienbibliothek im Rathaus, Musiksammlung
Bartensteingasse 9, 1. Stock
1010 Wien

Handschrift "Bernardon der dreissigjährige A.B.C. Schütz", Wienbibliothek im Rathaus




Joseph Felix von Kurz (genannt Bernardon): Der dreissigjährige A.B.C. Schütz und glückliche Liebhaber von der schönen Haubenhefterin in Wien, 1754 (Handschrift aus dem 19. Jahrhundert). Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, Nachlass Ludwig Gottsleben, Signatur H.I.N. 49510


Zur Tagung

Von der Mitte des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde "Der 30jährige ABC-Schütz" immer wieder neu bearbeitet und aufgeführt. Johann Joseph Felix von Kurz alias Bernardon, der Autor der ältesten erhaltenen Version des Stückes aus dem Jahre 1754, Anton Hasenhut alias Taddädl oder Johann Nestroy spielten die Titelrolle ebenso wie noch 1892 Ludwig Gottsleben, der das "narrische Studentl" im Rahmen der Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen im Wiener Prater gab. Besonders erfolgreich war Karl Friedrich Henslers (Text) und Wenzel Müllers (Musik) Version aus dem Jahre 1799, die von Augsburg über Baden und Brünn bis Wien und Würzburg gespielt wurde und von der sich Partituren in Frankfurt am Main, München, Prag und Wien erhalten haben – ein echtes Stück Wiener Volkstheater.
Aufgrund der komplexen Rezeptions- und Aufführungsgeschichte ist das Material zum 30jährigen ABC-Schütz äußerst vielfältig. Es lädt dazu ein, Fragen zur szenischen Praxis, zum Verhältnis von Text und Musik sowie zu Humor und Komik im Laufe der Jahrzehnte zu stellen und gleichzeitig eine Verortung des Stückes vor dem Hintergrund zeitgenössischer Diskurse zu versuchen.

Programm

9:00 – 9:30 Eröffnung: Sylvia Mattl-Wurm (Wienbibliothek im Rathaus), Hans Ernst Weidinger (Don Juan Archiv Wien)
9:30 – 9:45 Einführung: Matthias J. Pernerstorfer

9:45 – 10:00 Kaffeepause

10:00 – 11:30: 1. Abteilung: Bildung vs. Komik
Chair: Johann Hüttner (Wien)
Hilde Haider-Pregler (Wien): Ein theatralischer Streit mit den Buchstaben. Von A.B.C. bis D. und T.
Ulf Birbaumer (Wien): Der 30jährige ABC-Schütz im Œuvre von J. J. F. v. Kurz
Beatrix Müller-Kampel (Graz): Drei 30jährige ABC-Schützen. Die Geschlechter derer von Hanswurst und Kasperl von Eselbank und ihre Komik

11:30 – 13:00: Mittagspause

13:00 – 14:00: 2. Abteilung: Musik
Chair: Thomas Steiert (Bayreuth)
Gunhild Oberzaucher-Schüller (Salzburg/Wien): Hanswursts Bewegungswelten. Theatrale Konventionen und Figurencharakterisierung im 30jährigen ABC-Schütz
Lisa de Alwis (Los Angeles): Versteckter Humor in W. Müllers Musik zum 30jährigen ABC-Schütz

14:00 – 14:30: Musikalische Einlage. Leitung: David McShane (Graz)

14:30 – 14:45: Kaffeepause

14:45 – 15:30: 3. Abteilung: Rezeption
Chair: Matthias J. Pernerstorfer (Wien)
Alena Jakubcová (Prag): Zur Aufführungsgeschichte und Rezeption des 30jährigen ABC-Schütz in den böhmischen Ländern. Schauspieler, Prinzipale und Theaterstücke zwischen Prag und Wien an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert
Julia Danielczyk (Wien): L. Gottsleben agiert den Bernardon. Die Internationale Ausstellung für Musik- und Theaterwesen (1892) und die Erfindung der Altwiener Volkskomödie

Zum Forschungsprojekt

Der 30jährige ABC-Schütz begeisterte in seinen Versionen rund hundertfünfzig Jahre lang das Publikum. Im Projekt des Don Juan Archiv Wien zu diesem Stück wird die Geschichte des Textes untersucht und das Werk - sowohl mit Blick auf den Text als auch auf die vielen Aufführungen - aus unterschiedlichen Perspektiven interpretiert. Ziel ist eine Edition sämtlicher Versionen des Stückes, die auch die bekannten Partituren berücksichtigt, kombiniert mit einer Sammlung von Artikeln zu philologischen, soziologischen, motivischen und rezeptionsgeschichtlichen Aspekten, um so einen facettenreichen Einblick in die Arbeit der Theaterautoren sowie die Veränderungen des Umgangs mit dem vorliegenden Stoff im 18. und 19. Jahrhundert zu geben. Mehr dazu.

Zum Werk

Ausgangspunkt der Handlung des 30jährigen ABC-Schütz ist stets, dass der Bauer Hannswurst (bzw. Kaspar) durch einen Goldfund plötzlich reich geworden und mit seinen Kindern nach Wien gezogen ist, wo er sich als reicher Edelmann ausgibt. Aufgrund dieser neuen sozialen Stellung soll sein dreißigjähriger Sohn, der je nach Version Bernardon, Jackerl oder Taddädel heißt, lesen und schreiben lernen - woher das Stück seinen Titel hat -, und er soll Rosaura, die Tochter eines verarmten Edelmannes, heiraten. Das missfällt aber dem ABC-Schützen, da er in Colombina (bzw. Katherl), eine Haubenhefterin, verliebt ist. Rosaura wiederum ist selbst verliebt, und so kommt es zu Intrigen gegen die Eltern, die am Ende eine Heirat der Liebespaare, deren Zahl in drei Version noch erhöht ist, ermöglicht. Mehr dazu.


veranstaltet vom Don Juan Archiv Wien und der Wienbibliothek im Rathaus. Organisiert von Matthias J. Pernerstorfer

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