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Digitale Sammlungen
farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Wien Geschichte Wiki

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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Aktuelle Schließzeiten

Vom 27. bis 29. Dezember ist keine Benützung der Handschriften und Musikhandschriften möglich. Alle übrigen Bestände sind bis zum regulären Leseschluss benutzbar.

Vom 2. bis 5. Jänner ist die Benützung der Handschriften und Musikhandschriften bis 15:30 Uhr möglich. Alle übrigen Bestände sind bis zum regulären Leseschluss benutzbar.

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Sensationelle Raimund-Funde in der Wienbibliothek

24. Februar 2009, 17.30 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
Bartensteingasse 9, 1010 Wien

Thomas Aigner (Leiter der Musiksammlung) begrüßt.
Otto Brusatti moderiert und spricht mit ihm und Hermann Böhm (Leiter der Handschriftensammlung).
Es singen Maren Engelhardt und Günther Strahlegger, Klavier spielt Christine David.

Im Anschluss Wein & Brot
Der Eintritt ist frei.

Bei der Durchsicht eines Nachlasses fand sich kürzlich eine Sensation: zehn autographe Notenhandschriften Ferdinand Raimunds! Bis dahin war weltweit nur ein einziges Musikmanuskript Raimunds im Original bekannt, ebenfalls im Besitz der Wienbibliothek.

Ende letzten Jahres fanden sich bei der Durchsicht eines Teilnachlasses des Literaturhistorikers und Direktors der Städtischen Sammlungen, Carl Glossy, zehn Notenhandschriften Ferdinand Raimunds. Soweit sie bisher identifiziert werden konnten, handelt es sich um – nur teilweise textierte – Melodieentwürfe zum romantischen Original-Zaubermärchen mit Gesang Das Mädchen aus der Feenwelt oder: Der Bauer als Millionär sowie zum Original- Zauberspiel Die gefesselte Phantasie.

Die Theaterstücke Raimunds enthalten in ihrer Originalgestalt einen hohen Musikanteil – eine Ouvertüre sowie mehrere Solonummern, Ensembles und Chöre. Als Komponisten dieser Schauspielmusiken gelten Joseph Drechsler, Conradin Kreutzer, Wenzel Müller und Philipp Jacob Riotte. Dass Raimund jedoch an der musikalischen Konzeption seiner Bühnenwerke maßgeblich mitwirkte, wird von der einschlägigen Fachliteratur schon seit Längerem behauptet. Die kürzlich aufgefundenen Notenblätter bestätigen nunmehr diese Ansicht aus erster Hand.

Die Entwürfe zeigen auch, dass sich Raimund mit dem musikalischen Rhythmus sehr schwer tat. Dies sei anhand des Duetts „Brüderlein fein“ exemplarisch erläutert. Die ersten vier Systeme sowie das letzte System der hier abgebildeten Seite stellen den ersten Entwurf dieser Musiknummer dar. Man beachte den Zweivierteltakt und die vom Sprachrhythmus abgeleitete Abfolge von Triolen, Viertel- und Achtelnoten. In einem schon länger bekannten Blatt findet sich eine Zwischenversion, in der anstelle der Achtelnoten punktierte Achtel und Sechzehntel erscheinen.

Den eigentlichen Geniestreich verdanken wir jedoch Joseph Drechsler, der die Melodie in den Rhythmus eines Wiegenliedes – im Sechsachteltakt! – umgoss. Erst dadurch stellt sich der einschmeichelnde Charakter des Gesangs ein, mit dem die Jugend, die sich von Fortunatus Wurzel für immer verabschiedet, diesen zu beruhigen versucht.

Die anderen Entwürfe auf der abgebildeten Seite beziehen sich auf das Aschenlied und auf einen verworfenen Schlusschor. Die (nicht abgebildete) Rückseite des Blatts enthält den Schluss eines Rollenhefts zu einer nicht identifizierten Bühnenkomposition Wenzel Müllers in dessen eigener Handschrift.

Abbildung:
Ferdinand Raimund: eigenhändige Melodieskizzen zu dem romantischen Original-Zaubermärchen mit Gesang Das Mädchen aus der Feenwelt oder: Der Bauer als Millionär [1826]
1 Blatt, 30 x 23,5 cm
Signatur: MHc 21052