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Lesen auf der Enterprise. Bibliotheken und BibliothekarInnen in Science Fiction und Fantasy

Illustration aus: David H. Keller: The cerebral library. In: Amazing Stories May 1931

Ort und Zeit

Dienstag, 16. Juni 2009, 19 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek
Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien

Zur Veranstaltung

Von der mächtigen Oberbibliothekarin Zarvora bis zum Roboter-Bibliothekar, von den Jedi-Archiven bis zur USS Enterprise Library, vom Kabinett von Saraogh auf Zentapher bis zur zerebralen Bibliothek - ein audiovisueller Ausflug zu utopischen Bibliotheken und phantastischen BibliothekarInnen von Monika Bargmann und Robert Buchschwenter.

Textpassagen und Filmausschnitte illustrieren, wie sich Autorinnen und Autoren phantastischer Literatur die Aufgaben und Fähigkeiten von Bibliothekspersonal, die Veränderung der Speichermedien und Bibliotheken als Räume und Organisationen vorstellen. Die Bibliothek der Zukunft taucht dabei unter anderem als Bedrohung für die MachthaberInnen, als Gedächtnis verschwundener Kulturen, als Verwaltungszentrale und als Pforte zwischen Wirklichkeit und Fiktion auf. In utopischen Erzählungen vergangener Jahrzehnte werden auch technische Entwicklungen wie DVDs, Suchmaschinen und Computernetze vorweggenommen. Und BibliothekarInnen treten als Roboter, als Klone, als Hologramme auf, die sich allerdings zum Großteil gewisse Klischees aus der Gegenwart über die Jahrhunderte bewahren.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals der Bezirke 2009.

Mitwirkende

Monika Bargmann arbeitet als Bibliothekarin in der Plakatsammlung der Wienbibliothek im Rathaus, beschäftigt sich mit dem Berufsbild BibliothekarIn, ist Science Fiction-Fan und schreibt gerade an einer Diplomarbeit über deutschsprachige Star Trek-Fan Fiction.

Robert Buchschwenter ist Lehrbeauftragter für Film- und Medienwissenschaften an der Universität Salzburg sowie für Drehbuch am Filmcollege in Wien. Er arbeitet selbständig als Drehbuch-Entwickler und -berater und ist Kurator einer Filmsendung auf Okto.

Pressetext

Batgirl war Bibliothekarin: Vortrag über SciFi-Bibliotheken

Das grenzenlose Weltall und seine zahlreichen Lese- und Filmabenteuer stehen kommenden Dienstag bei Monika Bargmann und Robert Buchschwenter im Mittelpunkt des Vortrages "Lesen auf der Enterprise" in der Musiksammlung der Wienbibliothek. Was die beiden herausgefunden haben und ab 19.00 Uhr dem Publikum zeigen, ist ein wilder Parcours durch das klassische Science Fiction-Genre. Von Perry Rhodans "Die Pforten von Zentapher" - hier geht es um ein übles Massaker unter Bibliothekaren - über erwartungsgemäß "Fahrenheit 451" bis zu den Abenteuern von Kirk, Spock und seinen ungezählten Nachfolgern: Die beiden Sci-Fi-Interessierten Kulturwissenschaftler haben sich die Mühe gemacht, den Stellenwert der Bibliotheken im Fantastischen nachzuspüren.

Während kürzlich erst in der "Süddeutschen" vom Verschwinden der Bibliotheken in der gegenwärtigen Innenarchitekur-Werbung groß zu lesen war, finden die beiden Weltraum-Spezialisten in der Zukunft eher Tradiertes vor. Wenn auch die Erscheinung sich gewandelt hat - von Großdatenbanken in Raumschiffen bis zur heiligen und kaum benutzten Jedi-Bibliothek in "Star Wars" - die Klischees überleben auch die Kälte des Alls. Ob "Hüter des Wissens", letzte Kulturträger nach der Apokalypse oder als Widerstandsbewegung: Auch an Bord der USS Enterprise herrschen eher traditionelle Vorstellungen über den Wert von Bibliotheken vor, wie Bargmann erzählt, die im Plakatarchiv der Wienbibliothek arbeitet.

Im Vortrag der 33-jährigen Bibliothekarin und Star Trek-Spezialistin - "Deep Space Nine" gehört laut der angehenden Germanistin zum Interessantesten, was in letzter Zeit den Weltraum durchpflügt hat - spielen die Enterprise und Captain Picards Vorliebe für klassische Literatur eine Rolle, ebenso aber Comics und englischsprachige Shortstories, wie die 1931 publizierte "The celebral library", wo ein abgefeimter Bibliothekar junge Menschen und ihr Buchwissen chirurgisch missbraucht.

Man merkt, dass viele der vorgestellten Literatur- und Filmbeispiele - so gibt es ein Wiedersehen mit "Brazil", "Rollerball" und "Minority Report" - zu Zeiten ausgedacht wurden, als das Medium Buch noch konkurrenzlos über die globale Wissenskultur vorherrschte. Das "erste Buch" der SciFi-Bibel "Raumschiff Enterprise" wurde im deutschsprachigen Raum erst in den frühen 1970er Jahren erstmals ausgestrahlt. Unterm Strich darf man schreiben: Allzu viele Bücherwürmer und Bibliothekare haben es eigentlich nicht ins Weltall geschafft. Das Buch ist "da draußen" mehr Distinktionsmittel eines Captain James T. Kirk, als kulturelle Lebensnotwendigkeit für die Zeiten zwischen den Abenteuern. Nette Ausnahmen findet man dann auch auf der Erde: Batgirl war angestellte Bibliothekarin der Gotham City Library. (Rathauskorrespondenz, Hans-Christian Heintschel, Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, 12. Juni 2009)