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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Wien Geschichte Wiki

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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Aktuelle Schließzeiten

Am 20. und 23. November schließt der Lesesaal aufgrund einer Veranstaltung bereits um 17 Uhr. Ersatzleseplätze werden zur Verfügung gestellt.

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»Der Pianist Wiens« Alfred Grünfeld (1852-1924)

"Alfred Grünfeld auf einem »Vollblut-Bösendorfer Imperial« die hohe Schule reitend" (Druck E. M. Engel, Wien, 1907).

Ort und Zeit

10. November 2017 bis 4. Mai 2018
Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien
Eröffnung am 09. November

Zur Ausstellung

Alfred Grünfeld war vor 100 Jahren eine der berühmtesten Künstlerpersönlichkeiten der Stadt und der "Pianist Wiens".

Eduard Hanslick schreibt 1896: "Grünfeld belebt mit und ohne Klavier die besten Kreise der Wiener Gesellschaft als liebenswürdig moussierendes Element, als guter Geist der Unterhaltung, als Klassiker des Anekdotenvortrages. Das ist so bekannt wie seine glänzende Technik, sein sprühender Rhythmus, sein klangvoller Anschlag, sein unerschöpfliches Gedächtnis."

Die Ausstellung in der Musiksammlung der Wienbibliothek porträtiert den vielseitigen Künstler anhand von Exponaten aus dem Alfred-Grünfeld-Teilnachlass in der Wienbibliothek im Rathaus, dem Wien Museum Karlsplatz und dem Privatbesitz Isabella Sommer.

Der Konzert- und Salonpianist der Wiener High-Society

Alfred Grünfelds Konzerte waren künstlerische und gesellschaftliche Top-Ereignisse in Wien. Er spielte neben dem klassischen und romantischen Klavierrepertoire Werke von Freunden und Zeitgenossen, begeisterte mit seinen Schumann-, Schubert- und Brahms-Interpretationen sowie mit eigenen Kompositionen. Als beliebtester Salon-Pianist der High-Society verkehrte er in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen und war mit bedeutenden Künstlerkollegen wie Johann Strauss, Alexander Girardi, Viktor Tilgner oder Hans Makart befreundet. Kritiker schwärmten von seiner Technik, der Weichheit, Fülle und Farbigkeit seines Anschlags sowie von seinem geschmackvollen Vortrag. Julius Korngold schreibt 1924, Grünfeld habe "immer Musik gemacht im Wiener Geiste" und "Wiens musikalischen Gedanken am Flügel vertreten".

Der Komponist und "der Mann mit den Frühlingsstimmen"

Berühmt geworden ist Alfred Grünfeld schon zu Lebzeiten mit seinen virtuosen Transkriptionen nach Melodien von Johann Strauss. Grünfeld komponierte an die 100 Klavierwerke (Virtuosenstücke, Salonmusik, Lieder), die "Kleine Serenade" ist in der Fassung für Orchester "um die ganze Welt gegangen". Die virtuosen Klavierwerke hat er für seinen Vortrag geschrieben, der Großteil davon ist zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt worden, manche Werke haben sich nur in seinen Einspielungen überliefert. Von seinen zwei Bühnenwerken, der Operette "Der Lebemann" (Wien, 1903) - die Titelrolle sang Alexander Girardi -, blieb der "Dinerwalzer" in Erinnerung; seine Oper "Die Schönen von Fogaras" (Dresden, 1906) kam bis heute in Wien nicht zur Aufführung.

Der Aufnahme-Pionier

Alfred Grünfeld war einer der ersten Pianisten, der die aktuellen Aufnahmetechniken sofort für sich nutzte: 1889 spielter er die Wachsrollen für Edison Phonograph ein, ab 1899 machte er Schallplatten-Aufnahmen und ab 1905 wurden nach seinem Spiel Notenrollen für Reproduktionsklavier (Welte Mignon) und Kunstspielklavier (Phonola) gestanzt. Diese Tondokumente sind heute nicht nur wichtige und manchmal auch die einzige Quelle einzelner Kompositionen, sie überliefern auch seine Musizierpraxis: Er spielte frei im Tempo, mit dynamischer Breite, großem Rubato, improvisierend und oft vom gedruckten Notentext abweichend. Er hat, so wie andere Pianisten seiner Zeit, zwischen Konzert- und Aufnahmesituation unterschieden. 1913 spielte Alfred Grünfeld sogar im ersten Johann-Strauss-Film mit.

Mitwirkende

Kuratorin und Texte: Isabella Sommer
Ausstellungsgrafik: Markus Reuter
Dank für die Bildrechte ergeht an das Wien Museum Karlsplatz

Begleitprogramm

Dienstag 27. Februar 2018, 19:00 Uhr:
Konzert: Doris Adam (Klavier) spielt Alfred Grünfeld
Musiksammlung der Wienbibliothek, Loos-Räume
Bartensteingasse 9, 1. Stock, 1010 Wien

Freitag, 16. März 2018 im Rahmen des Johann-Strauss-Symposiums "Tanz-Signale" 2018:
18:30 Uhr Führung durch die Ausstellung
19:00 Uhr Filmvorführung "Johann Strauss an der schönen blauen Donau" (1913, Wien; Regie: Karl von Zeska)

Fotografie Alfred Grünfeld.
Alfred Grünfeld Konzertprogramm, Großer Musikvereinssaal, 10.2.1910, Wien.
Konzert Alfred Grünfelds, Großer Musikvereinssaal, 22.3.1923, Wien, Fotografie: Franz Löwy.
Gedruckte Klavierausgabe Kleine Serenade, 1889.
Gedruckte Klavierausgabe Valse melancholique, 1908.
Frühlingsstimmen-Walzer. Konzert-Transkription, Autograph, datiert: 22.5.-23.5.1914.
V. Akt: „Strauss-Soirée“ aus dem Film: Johann Strauß. An der schönen blauen Donau. (Regie: Karl von Zeska, Wien 1913).
Alfred Grünfeld bei einer Schallplatten-Aufnahme in seiner Wohnung (1., Getreidemarkt 10), sein Bruder Ludwig ist Aufnahmeleiter bei der Deutschen Grammophon in Wien. Aus: „Österreichische Illustrirte Zeitung“, 8.11.1908.
Notenrolle für Phonola: Grünfeld spielt seine Ungarische Phantasie, 1905.
Schallplatte: Grünfeld spielt Gounod-Grünfeld, Faust Fantasie, 1910.