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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Wien Geschichte Wiki

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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Werner Michael Schwarz
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Wien Geschichte Wiki - eine georeferenzierte Wissensplattform der Stadt Wien

Bei der Projektpräsentation: Anita Eichinger (Wienbibliothek), Christoph Sonnlechner (Stadt- und Landesarchiv), Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Brigitte Rigele (Stadt- und Landesarchiv), Alfred Pfoser (Wienbibliothek). Foto: Stefan Horak

Wien, 11. September 2014. Das "Wien Geschichte Wiki" ist eine georeferenzierte Wissensplattform der Stadt Wien, die das Ziel verfolgt, historisches Wissen über Wien von Expertinnen und Experten aus Stadtverwaltung und Öffentlichkeit zusammen zu führen. Grundlage des Wikis sind die mehr als 31.000 Einträge des sechsbändigen Werks "Historisches Lexikon Wien", herausgegeben von Felix Czeike, das nun zu einer umfassenden digitalen Wien-Enzyklopädie ausgebaut werden soll. "Wien Geschichte Wiki" hat den Anspruch, erste Adresse in Sachen "historisches Wien-Wissen" zu sein.

Die frei zugängliche Mitmach-Enzyklopädie Wikipedia (in der deutschsprachigen Version mit mehr als 1,7 Millionen Artikeln) ist in der Lexika-Welt zum Maßstab für jedes erfolgreiche Lexikonprojekt geworden. Die Qualität der Datenbanken ist hoch, die Aktualität auch. Nahezu alle nutzen die diversen, spezialisierten Plattformen. Kaum jemand greift noch zu einer gedruckten Enzyklopädie, wenn er/sie mal einen Artikel nachschlagen will. Der Bedarf an rasch verfügbarer Information wird gegenwärtig mithilfe verschiedener Wikis als willkommene Alternative zu den traditionellen Wissensquellen im Printbereich gedeckt. Gleichzeitig wird Wissen nicht mehr bloß rezipiert und weiter verarbeitet: Die RezipientInnen selbst schaffen Wissen, ergänzen die Wiki-Einträge um ihre eigenen Kenntnisse, stellen diese in einem Forum zur Diskussion. Dies bewirkt eine massive Dynamisierung gegenwärtiger Wissenswelten. Aus LeserInnen sind "UserInnen" geworden. Gerade im Bereich der Lexika vollzieht sich der epochale medienhistorische Wandel besonders rasch. Traditionelle renommierte Lexika-Verlage geraten ins Hintertreffen und werden auch gezwungen, sich der digital vernetzten Wissenskultur zu öffnen, so geschehen mit der Encyclopaedia Britannica oder dem Brockhaus. Jetzt zieht auch die Stadt Wien mit ihrem angesehenen, viel genutzten "Historischen Lexikon Wien", herausgegeben vom früheren Direktor des Wiener Stadt- und Landesarchivs und Doyen der Wiener Stadtgeschichtsforschung Felix Czeike (1926-2006), nach.

Gleichzeitig stellen sich das Wiener Stadt- und Landesarchiv und die Wienbibliothek im Rathaus gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern der Herausforderung, das "Historische Lexikon Wien" zu aktualisieren und unter den Kriterien Relevanz und Verlässlichkeit zu erweitern. "Wien Geschichte Wiki" basiert auf einem semantischen MediaWiki. Es ist also nicht nur bestens durchsuchbar, sondern auch gezielt abfragbar. Von den sechs Kategorien, denen Artikel zugeordnet sind – nämlich Personen, Ereignisse, Bauwerke, Topografische Objekte, Organisationen und Sonstiges – sind zwei (Bauwerke und Topografische Objekte) georefernziert, also im Stadtplan verortet. Archiv und Bibliothek illustrieren und ergänzen das Wiki in einem laufenden Prozess aus ihren eigenen Beständen. Dabei ergeht im Sinne einer Web 2.0-Anwendung an die interessierte Öffentlichkeit die besondere Einladung und Aufforderung, vorhandene Kenntnisse, eigenes Daten- und Bildmaterial einzuarbeiten und so an einer permanenten Verbesserung, Aktualisierung und inhaltlichen Erweiterung des historischen Stadtwissens mitzuwirken.

Das "Historische Lexikon Wien", herausgegeben von Felix Czeike, ist in fünf Bänden von 1992 bis 1997 erschienen. Einen Nachtragsband gab es im Jahr 2004. Das in seiner Fülle und Breite in Europa einzigartige historische Lexikon ist längst bei allen historisch Interessierten, die sich in irgendeiner Weise mit der Geschichte der Stadt beschäftigen, zur Institution geworden. Nicht nur in Fachkreisen wurde der Name des Herausgebers mit dem "Historischen Lexikon Wien" assoziiert. Die Intention des "Czeike" war es, nicht nur die FachhistorikerInnen anzusprechen, sondern die Informationsbedürfnisse der ganzen Bevölkerung einzubeziehen, nicht nur die architektonischen, historischen oder biografischen Highlights der Wiener Geschichte zu thematisieren, sondern auch die unendlich vielen Besonderheiten der Stadt, insbesondere die Straßen, Plätze, Bauwerke und Denkmäler der 23 Wiener Gemeindebezirke und markanten, prägenden Persönlichkeiten aller Bereiche zu thematisieren. Konsequent verfolgte das Lexikon einen universalen Ansatz und nahm ausgewählte Begriffe aus der Kunst-, Wirtschafts-, Sozial-, Politik-, Kirchen-, Theater-, Medizin- oder Verkehrsgeschichte oder Volkskunde auf. Nichts sollte ausgeschlossen sein, das Ziel war Universalität. Kein Wunder, dass man im "Czeike" auch Dialektausdrücke wie Netsch, Plutzer, Nebbich und Masel erläutert bekommt oder Ausflüge in die Wiener Küche unternimmt. So liefert das Lexikon eine Beschreibung der 24 Rindfleischgerichte, die im historischen Nobelrestaurant "Meißl und Schadn" aufgetischt wurden, ebenso wie zahlreiche Rezepte zur regionalen Küche. Wer sich lesend in den historischen nächtlichen Vergnügungsetablissements der Stadt und Vorstadt herumtreiben möchte, kann im "Czeike" in Erfahrung bringen, wie man sich vor zweihundert Jahren in der Mehlgrube, Am Graben oder auf dem anrüchigen Spittelberg die Langeweile vertrieb.

Allein der Umfang des Druckwerks erregt Staunen und verdeutlicht die enorme Breite des Lexikons, die zu einer Entdeckungsreise einlädt. Auf 3.450 Seiten wurden nicht weniger als 27.000 Stichwörtern in den fünf Bänden behandelt. 10.500 topografische Objekte wurden erfasst, 5.400 Bauwerke fanden Eingang. Es gibt wichtigen Ereignissen der Wiener Geschichte Platz (Naturkatastrophen, Epidemien, Staatsbesuchen, Aufmärschen). Der "Czeike" versammelte 8.700 Biografien, allerdings nur von verstorbenen Persönlichkeiten. Eine besondere Herausforderung ergab sich durch die Aufnahme von Organisationen (Firmen, Vereine, Bildungseinrichtungen, Behörden, Magistratsabteilungen), deren Veränderungsprozess sich in den Artikeln nachverfolgen lässt.

Der redaktionelle Aufwand war für alle an der Produktion Beteiligten enorm. Czeike hat für sein Opus magnum die personellen Ressourcen des Wiener Stadt- und Landesarchivs herangezogen und darüber hinaus ein ganzes Team von ExpertInnen beschäftigt, bei denen er spezialisiertes Wiener Wissen angesammelt wusste. Der Archivdirektor hat über Jahrzehnte Vorarbeiten (u.a. "Großes Groner-Wien Lexikon", 1974; Kunst & Kultur-Lexikon Wien, 1979ff) übernommen, veranlasst und selbst erarbeitet. Hunderte Artikel wurden von ihm zur Stadtgeschichte verfasst, die von ihm herausgegebenen Wiener Bezirkskulturführer waren weit verbreitet und regten die Beschäftigung mit Bezirken und Grätzeln an. Selbstverständlich wurden jedem Lexikonartikel Literaturhinweise angefügt, um der Leserschaft eine weitere, vertiefte Beschäftigung zu ermöglichen.

Schon bei den früheren Printausgaben von Lexika herrschte großer Druck, ständig zu aktualisieren. In einem regelmäßigen Zyklus erschienen revidierte Ausgaben und Ergänzungsbände. So erschien sieben Jahre, nämlich 2004, nach Abschluss der Erstausgabe ein Nachtragsband, der die fünf Bände des "Czeike" ergänzte. Topografische Veränderungen (Donau-City, Gasometer, Wienerberg-City) wurden nachgetragen, neue Biografien verstorbener Persönlichkeiten eingebracht. Allerdings konnten Veränderungen und Korrekturen, die Beiträge in der bereits erschienenen Ausgabe betrafen, nicht berücksichtigt werden.

Mit "Wien Geschichte Wiki" ist nun eine ständige Bearbeitung, sind Korrekturen, Aktualisierungen und Erweiterungen möglich. Das Lexikon kann auf den Aktualitätsdruck und die ständige Anreicherung des historischen Wien-Wissens reagieren, auf neu entstandene Datenbanken Bezug nehmen und Verfeinerungen und Spezialisierungen der Dokumentationen berücksichtigen. "Wien Geschichte Wiki" stellt sich dem Aufholprozess in der Wissensvermehrung und wird in den nächsten Monaten und Jahren die Veränderungen in der Stadt und neue Erkenntnisse einarbeiten. Die neue Plattform bietet eine ideale Basis für Erweiterungen in verschiedene Richtungen. Mit "Wien Geschichte Wiki" soll die Stadt auch in der historiografischen Verortung zu einer der weltweit führenden Smart Cities werden.

Beteiligte Organisationen

Projektleitung

Wiener Stadt- und Landesarchiv
Wienbibliothek im Rathaus

KooperationspartnerInnen (Stand 11. September 2014)

Wien Museum
Jüdisches Museum Wien
Verein für Geschichte der Stadt Wien
Institut für Österreichische Geschichtsforschung
Zentrum für Umweltgeschichte, Wien
Österreichische Mediathek

Die Direktorin des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Brigitte Rigele, und Alfred Pfoser, stellvertretender Direktor der Wienbibliothek, bei der Präsentation des Wien Geschichte Wiki. Foto: Stefan Horak