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Loos-Räume
Die Musiksammlung der Wienbibliothek ist seit 1991 im Eckhaus Stadiongasse – Bartensteingasse 9 in den sogenannten „Loos-Räumen“ untergebracht. Hier hat auch der Verein der Freunde der Wienbibliothek seinen Sitz.
Der von seiner Außenerscheinung strenghistoristische Bau in Form der Neu-Wiener-Renaissance, der 1883/84 von Ludwig Tischler für Charles Jung erbaut worden ist, beherbergt in der übers Eck gehenden Beletagewohnung eine überaus sehenswerte Innengestaltung des berühmten Wiener Architekten Adolf Loos.
Adolf Loos (1870 – 1933) hat diese Wohnung um 1913 für den Bauherrn, den Bankier Friedrich Boskovits, eingerichtet, wobei er nach neueren Forschungen sehr wahrscheinlich einzelne Einrichtungsteile einer ursprünglich um 1910 für Arnim und Rosemarie Horowitz von ihm eingerichteten Wohnung (9. Bezirk, Frankgasse 1) wieder verwendete.
Der Loossche Einrichtungsstil zeigt sich vor allem im Vorzimmer und im Speisezimmer: In ersterem kombiniert Loos die historistische Lambris an der rechten Wand mit einem stuckierten Wandkamin in einer von ionischen Pilastern eingefassten Blendnische, mit Messingtüren, flankiert von dorischen Halbsäulchen, darüber eine vertiefte Spiegelfläche und Ädikulafeld mit Bacchantenrelief. Der rote Spannteppich gehört zum Einrichtungskonzept von Loos und zieht sich durch alle Repräsentationsräume.
Der ehemalige Salon mit Stuckkassettendecke, die auf Betreiben von Adolf Loos hell getüncht worden ist, und in dem noch die originalen dunkelroten Brokattapeten erhalten sind, führt über eine breite dreiflügelige Glastüre in den ehemaligen Speisesaal, der mit seiner kassettierten Wandvertäfelung aus mahagonygebeiztem Nussholz, mit dem kleinen Wandkamin aus rosafarbenem Marmor sowie dem Fries, der einen Bacchantenzug vorstellt, den Höhepunkt dieses Loosschen Wohnungsensembles bildet. An der Stirnwand ist die verspiegelte Anrichte mit Chippendale- Elementen von Adolf Loos zu sehen, gefertigt und signiert von der Firma F(riedrich) O(tto) Schmidt, sowie einiges Mobiliar wie zwei Wandtischchen, eine Esstischgruppe sowie zwei originale kleinere Sitzgruppen mit grünem Samt tapeziert. Original sind hier auch noch der Luster mit gelbem Schirm, die Wandleuchten aus Messing sowie der rosafarbene Spannteppich, der als einer der ersten Spannteppiche in der europäischen Innenraumgestaltung gilt.
Das gesamte Interieur der Wohnung wurde 1989–1991 unter Beiziehung zahlreicher Loos-Experten mit der Auflage strengster Wahrung der historischen Substanz restauriert und als Sitz der Musiksammlung der Wienbibliothek (damals Wiener Stadt- und Landesbibliothek) eingerichtet. Hier forschen internationale und nationale Forscherinnen und Forscher anhand der oftmals weltberühmten Bestände der Bibliothek. Im ehemaligen Musiksalon (Erker mit Podium) befand sich bis August 2010 der Lesesaal der Musiksammlung. In den Loos-Räumen finden immer wieder Konzerte statt. Die Loos-Wohnung ist nach Vereinbarung mit den Mitarbeiter/innen der Musiksammlung sowie im Rahmen der Veranstaltungen zu besichtigen.




