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Der Katalog

Portheims Opus magnum war sein Zettelkatalog. Grundlage dieses Zettelkataloges war zunächst seine eigene Bibliothek, die er zu diesem Zweck vollkommen durchgesehen hatte, später hat er ihn auch auf die einschlägigen Bestände fremder Bibliotheken ausgeweitet. [1] Seinen Zeitgenossen galt Portheim als der beste Kenner der josephischen Zeit. Paul von Mitrofanov, [2] der Biograph Josephs II., konsultierte Portheim ebenso wie der Musikwissenschaftler Otto Erich Deutsch. [3] Das Standardwerk "Deutsches Anonymenlexikon" (Weimar, 1902-1928) von Michael Holzmann und Hans Bohatta verdankt Portheims Katalog zahlreiche wertvolle Hinweise. [4] Im "Neuen Wiener Tagblatt war am 25. Oktober 1930 zu lesen: "Dieser Zettelkatalog ist es vor allem, aus dem viele Gelehrte aus allen Ländern der Welt, Kandidaten der verschiedenen Fakultäten, aus auswärtiger Institute und Museen immer wieder Nachrichten bezogen und ihr Material sammelten. Gelehrte aller Länder konnten ihre wissenschaftlichen Arbeiten oft nur mit Hilfe dieser eigenartigen Bildungsstätte zuwege bringen". [5] In Anbetracht der "jahrzehntelangen intensiven und entbehrungsreichen Arbeit", [6] die Max von Portheim der Erstellung seines Kataloges gewidmet hatte, hielt er ihn auch in materieller Hinsicht für wertvoller als seine gesamte Bibliothek.

Portheims Zettelkatalog besteht aus rund 450.000 bis 500.000 Zettel in 105 Katalogladen. Innerhalb der Laden sind die Zettel in zwei Reihen angeordnet, die Reihung verläuft alphabetisch von hinten nach vorne.

Die ersten 74 Laden enthalten den "Personenkatalog", in dem sich Nachrichten über ca. 300.000 Personen der Habsburger Monarchie finden, die zwischen 1740 und 1792 lebten, wobei sich der zeitliche Rahmen oft bis in die 1820er Jahre erstreckt. Unter Angabe der Quellen beinhalten sie Geburts- und Sterbedaten, Berufsbezeichnung und sonstige bio-bibliographische Informationen. Besonders wertvoll wird der Personenkatalog dadurch, dass sich in ihm nicht nur die "Prominenz" der Zeit widerspiegelt, sondern auch Personen aus der einfachen Bevölkerung aufgenommen wurden.

An den "Personenkatalog" schließen zwölf Laden des "Bücherkatalogs" an, in dem nach Art eines Bibliothekskatalogs Bücher in alphabetischer Reihenfolge eingereiht sind. Es handelt sich dabei einerseits um Bücher aus Portheims eigener Bibliothek, die auf roten Zetteln vermerkt wurden und auf deren Rückseite auch die heutige Signatur der Wienbibliothek im Rathaus nachgetragen wurde. Andererseits nahm Portheim auch fremde Bücher (Desiderata) auf, für die er grüne Zettel verwendete.

Der dritte große Teil ist der sogenannte "Sachkatalog". Er beginnt mit einer Lade "Bücherkatalog der Literatur außerhalb der geschlossenen Sammlung", sieben Laden "Bibliographie" (Themen: Belgische Revolution, Mitglieder des Kaiserhauses, Aufstände und Kriege, Österreichische Länder, Städte und Orte mit besonderem Augenmerk auf Wien, sowie Wiener Kalender und Zeitungen), danach folgen vier Laden Sachkatalog, weiters vier Laden Theaterstücke und Kalender, eine Kataloglade Personenkatalog deutscher Fürsten, Kirchenfürsten und Gesandter, eine weitere Lade mit jüdischen Personen und eine Lade durchgesehener Bücher aus fremdem Besitz. Die Sachkatalogszettel sind in weißer Farbe gehalten, dazwischen finden sich aber auch Bücherzettel wie im vorangegangenen "Bücherkatalog", nur dass sie in diesem Katalogteil in brauner (eigener Besitz) und blauer bzw. violetter Farbe (Desiderata) gehalten sind.

Im Gegensatz zu seinem umfangreichem Verzettelungsprojekt blieb Portheims gedrucktes Werk auf die Trenck Bibliographie (1912, gemeinsam mit Gustav Gugitz) und die "Materialien zu einer Sonnenfels-Biographie", eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Bibliothekar Michael Holzmann, die 1931, nach dessen Tod, in der "Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei" veröffentlicht wurde, beschränkt. In jeder Hinsicht war "verzetteln" das Lebensmotto des Max von Portheim.

Für diese Diskrepanz - Portheim lieferte die Grundlagenarbeit, die von vielen Fachkollegen verwendet wurde - fand er in einer der unzähligen Auseinandersetzungen mit Gustav Gugitz den pointierten Vergleich: "Ich bliebe dann weiter Ziegelschupfer für die, welche bauen". [7]

Teile des Portheim-Sachkatalogs, die besonders interessanten Laden 96 und 97 ("Aberglauben bis Zölibat"; siehe dazu auch Portheim-Gebrauchsanweisung wurden von der Wienbibliothek im Rathaus zum Anlass der Portheim-Ausstellung 2007 gescannt und im Rahmen eines Projekts des Universitätslehrganges "Library and Information Studies" der Universität Wien in einen gescannten Zettelkatalog überführt. Neben einer Titelsuche verfügt dieser Online-Katalog über einen Schlagwortthesaurus sowie eine Systematik, die sich an den 84, von Portheim selbst angelegten Gruppen samt deren Untergruppen orientiert und nach denen ebenfalls verbal gesucht werden kann.

zum Portheim-Katalog

Anmerkungen

[1] Wienbibliothek im Rathaus, Hausarchiv, d. i. WBR, HA, StS: MA 9-811/52: Zettelkatalog Portheims von Dr. Ernst Weizmann.

[2] Peter R. Frank: Max von Portheim - Privatgelehrter, Bibliograph, Bibliophiler. In Mitteilungen der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich. Wien (2004). H.1, S. 45.

[3] Brief Max Portheim an Otto Erich Deutsch. Wien, 25. Mai 1929, WBR, HS: H.I.N. 206376.

[4] Frank (Anm. 2), S. 45.

[5] Neues Wiener Tagblatt, 25. Oktober 1930, (Dr. E. W.).

[6] WienMuseum, Städtische Sammlungen, Prot. Nr. 1381/27.

[7] Brief Max von Portheim an Gustav Gugitz, Wien, 1916 Mai 13, WBR, HS: H. I.N. 92749.