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22. Mai 2012, 19.00 Uhr

Ravagiana: Hermann Leopoldi und die neuen Medien
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für (Musik)handschriften am 22. Mai 2012
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Vorlass Jörg A. Eggers

Aus den Materialien zur Verfilmung des Romans "Die kleine Figur meines Vaters" von Peter Henisch.

Im Juli 2010 übernahm die Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus den 28 Archivboxen umfassenden Vorlass des am 15. Juni 1936 in Heidelberg geborenen, seit vielen Jahrzehnten in Wien ansässigen Drehbuchautors, Regisseurs und Produzenten Jörg A. Eggers als Geschenk vom Bestandsbildner (ZPH 1497). Eggers hatte neben seinem Studium als Kabarettist, Schauspieler und Regieassistent an diversen Wiener Theatern begonnen, um 1959 als Spielleiter zum ORF zu gehen. Von 1971 bis 1974 leitete er die dortige Abteilung für Fernseh- und Dokumentarspiel sowie Theater. Schließlich gründete Eggers 1975 die Film- und Fernsehproduktionsfirma „Cine Mercury“ mit Sitz in Wien.

Der Bestand dokumentiert in bemerkenswerter Dichte das Werk eines Filmschaffenden, der für zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme als Drehbuchautor, Regisseur oder/und Produzent verantwortlich zeichnete. So sind zwei bekannte Filme in mehreren Drehbuchfassungen mit reichem Begleitmaterial dokumentiert. Zum einen „Ich will leben“ (1976) mit dem kürzlich 90 alt gewordenen Heinz Bennent in der Hauptrolle. Dieser Film erzählt das Schicksal eines behinderten Kindes. Zum anderen „Die Nacht der vier Monde“ (1983) mit Günter-Maria Halmer und Gunnar Möller. Hier sind zahlreiche Dokumente zur Produktionsvorbereitung überliefert, wie etwa die Drehortsuche in Berlin, Wien und Zagreb, Kostümlisten, Drehpläne, zeithistorisches Recherchematerial, Requisiten-, Adress- und Darstellerlisten, Unterlagen zu Besetzungsfragen, Synchronisation, Filmmusik, Komparserie und vieles andere mehr. Solche und etliche weitere Materialien haben sich auch zu anderen Filmen erhalten, wie man der Bestandssystematik entnehmen kann. Von besonderem Interesse für ein Archiv, das wie die Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus einen literarischen Schwerpunkt besitzt, sind die Verbindungslinien zur österreichischen Literatur. So beim Film „Verurteilt 1910“ (1974). Hier lieferte György Sebestyén das Buch zum Fall des k. u. k. Oberleutnants Adolf Hofrichter, den man wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilte, weil er angeblich einen großflächigen Zyankalianschlag auf zwölf Generalstabsoffiziere ausgeführt hat – fünf davon hätten sterben müssen, damit sich Hofrichter selbst Hoffnung auf einen Posten im Generalstab hätte machen können. Im Falle der Verfilmung von Peter Henischs Roman „Die kleine Figur meines Vaters“ (1980, Regie: Wolfgang Glück) überarbeitete Eggers das vom Romanautor selbst stammende Drehbuch. Neben Henischs Originaldrehbuch haben sich alle Bearbeitungsstufen im Bestand erhalten.