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22. Mai 2012, 19.00 Uhr

Ravagiana: Hermann Leopoldi und die neuen Medien
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für (Musik)handschriften am 22. Mai 2012
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Am 25. Mai 1862 starb Johann Nepomuk Nestroy in Graz.
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Teilnachlass Oskar Maurus Fontana

Oskar Maurus Fontana, um 1915

Im Oktober 2009 erwarb die Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus einen Teilnachlass des österreichischen Schriftstellers, Kritikers und Journalisten Oskar Maurus Fontana (1889–1969). Der vier Archivboxen umfassende Bestand (ZPH 1475) gehörte als Kryptonachlass zur Verlassenschaft des früheren Generalsekretärs des Österreichischen Schriftstellerverbands Paul Wimmer (ZPH 1473), der sich nach Fontanas Tod offenbar als Verwalter von dessen literarischem Nachlass engagiert hat. Besondere Beachtung verdient dieser Teil von Fontanas Vermächtnis aus literarhistorischer Sicht, schließlich ist mit dem Drama „Das Märchen der Stille“ (Berlin 1910), der Komödie „Die Milchbrüder“ (ebd., 1913), dem Schauspiel „Marc“ (Leipzig 1918), dem berühmten Roman „Erweckung“ (ebd., 1919) sowie der Novellensammlung „Empörer“ (Wien 1920) fast das gesamte expressionistische Frühwerk Fontanas in unikalen Manuskripten vertreten. Zu diesem Bestand gehören auch die vom Autor akribisch überarbeiteten Fahnen des Romans „Erweckung“, mit der handschriftlichen Anmerkung Kurt Wolffs „an Verf.“ auf dem Schmutztitel. Dass dieses Werk des damals 30jährigen Schriftstellers in jenem Verlag erschien, der den literarischen Expressionismus so nachhaltig prägte, zeugt nur von der Bedeutung Fontanas, der spätestens mit Herausgabe der Anthologie „Die Aussaat“ (Konstanz 1915) zum Wegbereiter dieser künstlerischen Bewegung in Österreich geworden war.


Außergewöhnlich ist auch die Briefhaltigkeit dieses Kryptobestandes, nicht nur wegen der zahlreichen prominenten Korrespondenzpartner wie Bruno Adler, Julius Bab, Otto Basil, Felix Braun, Rudolf Brunngraber, F. T. Csokor, Herbert Eulenberg, Willy Haas, Mela Hartwig, Carmen von Herzmanovsky-Orlando, Hermann Hesse, Clemens Holzmeister, Heinrich Eduard Jacob, Oscar Jellinek, Franz Jung, Alfred Kubin, Alexander Lernet-Holenia, Lina Loos, Ernst Lothar, Katia Mann, Thomas Mann, Viktor Matejka, Max Mell, Erika Mitterer, Walter von Molo, Franz Nabl, Karl Otten, Paul Raabe, Heinrich Schnitzler, Carl Seelig, Josef Luitpold Stern, Viktor Suchy, Adrienne Thomas, Friedrich Torberg, Rudolf Weys und Friderike Maria Zweig. Zudem dokumentieren gleich mehrere Konvolute von Briefen Oskar Maurus Fontanas an Hermann Hesses dritte Ehefrau Ninon aus den Jahren 1930 bis 1966 deren intensive Freundschaft. Ein wahrer Fund ist darüber hinaus eine umfängliche Sammlung von Gedichten aus der Feder Theodor Kramers, die er Fontana zwischen 1946 und 1954 aus dem englischen Exil – teils in Originaltyposkripten und mit kommentierenden Begleitschreiben – nach Wien schickte, um sie an Periodika wie die „Wiener Zeitung“ zu vermitteln. Dieser äußerst wertvolle Bestand bildet eine schöne Ergänzung zum bereits im Jahr 1970 aus Familienbesitz erworbenen Nachlass Fontanas (ZPH 412).


Teilnachlass Carl Ritter von Borkowski

Tagebucheintrag vom 26. November 1868

Im Januar 2010 erwarb die Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus einen Teilnachlass des österreichischen Architekten Carl Ritter von Borkowski (ZPH 1482, aufgestellt unter ZPH 1188). Zwar hat sich Borkowski (1829–1905) als Baudirektor des Wiener Cottage Vereins ein Denkmal in der Architekturgeschichte gesetzt, der angekaufte Bestand freilich spiegelt vor allem den begabten Sänger und Zeichner wider. Zu den Dokumenten gehört ein Tagebuch für die Jahre 1855 und 1856. Einen seiner Auftritte als Bühnenkünstler schildert Borkowski am 27. Jänner 1856: „Mozarts hundertjähriger Geburtstag. Zur Feier desselben die Zauberflöte. Ich sang den Papageno. Obgleich ich keine einzige Orchesterprobe gehabt, ging die Parthie über alle Erwartung. Ich erhielt reichen Beifall, nach dem Papagenoduett wurde ich zweimal gerufen und das Duett leider zur Wiederholung verlangt. Ich sage ‚leider’, denn bei der Wiederholung hatte ich den Kopf verloren und sang wirklich erbärmlich. Die Ursache meiner Verwirrung war der Umstand, daß mir zwischen den Beinen die Tricots und die Federhose geplatzt. Nichts desto weniger habe ich einen sehr glücklichen Abend gehabt, und ohne diesen Zufall hätte ich einen Triumpf [sic!] gefeiert.“

Den Zeichner erlebt man in einem anderen Tagebuch mit der Berichtszeit Dezember 1865 bis Januar 1877. Der 129 Blatt starke Band gliedert sich in vier Spalten, die neben Ausgaben und Einnahmen seine Bühnenauftritte und Reisen sowie die geschriebenen und erhaltenen Briefe dokumentieren. In der letzten Spalte gibt Borkowski Auskunft über sein Leben. Zumeist blieb ihm genug Platz, um dem Tagebuch zahllose Federzeichnungen von ausgezeichneter Qualität beizugeben. Dazu gehören Porträts von Zeitgenossen, Skizzen seiner technischen Ideen, Entwürfe für Parklandschaften und vieles andere mehr. Abgerundet wird der Bestand durch zwei „Geld Journale“ (1854, 1855–1857), eine Entlassungsurkunde aus der Nationalgarde (1848) und etliche gedruckte sowie handschriftliche Theaterzettel.

Dieser Ankauf ergänzt die bereits vorhandenen Familienbriefe an Carl von Borkowski, vornehmlich aus der Feder von dessen Vater Anton (ZPH 1188).

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