Zur Katalogübersicht

Zur Katalogübersicht

Digitale Sammlungen
Weiter zu mehr Information. Link wird in neuem Fenster/TAB geöffnet
Wien Geschichte Wiki

Wissensplattform der Stadt Wien auf Basis des "Historischen Lexikons Wien", herausgegeben von Felix Czeike
Weiter zum Blog

Weihnachten & Jahreswechsel

geänderte Öffnungszeiten
Weiter zur Veranstaltungsseite

Wohin der Krieg führt

Blog zum ersten Weltkrieg
Weiter zum Blog

Newsletter abonnieren

Der Newsletter informiert Sie laufend über aktuelle Veranstaltungen, Ausstellungen und andere Angebote.
Weiter zur Information über die Fachkonferenz und Visual Library AnwenderInnentagung

Wienbibliothek auf Facebook
Sie sind in:

Neuerwerbungen September 2009

Mit Klick auf das Bild können Sie das gesamte Buch als PDF herunterladen (11 MB).

Ein "verschollener Dichter der Barockzeit" und seine verschollene Dichtung

In der Jahresgabe der Wiener Bibliophilen-Gesellschaft 1955 berichtete der Wiener Sammler und Bibliograph Walter Sturminger (1899-1973) über "Johann Heinrich Fitzing von Fitzingheimb. Ein verschollener Dichter der Barockzeit". Dem schmalen Bändchen über den österreichischen Barockpoeten, der nachweislich in Wien lebte und hier zwischen 1650 und 1672 auch einige Werke veröffentlichte, ist der Reprint einer anonymen Flugschrift Fitzings mit dem sperrigen Titel "Allerunterthaenigste Ehren-Defension Oesterreichischer heylsamen Landsfuerstl. Policey-Ordnung Wieder alle Dißfals befindliche vngehorsame Malcontenten vnd straffmessige Calumnianten In trewhertziger Wohlmeinung Im Thon Wie man die Schaefferin mit der Spindl singet" (Wien: Matthaeus Cosmerovius, 1672) aus Sturmingers Privatbibliothek angeschlossen. Dieser Druck, von dem nur sechs Exemplare "als Deckelpappe in einem alten Einband verborgen" entdeckt und nach ihrer Wiederauffindung im Antiquariat Gilhofer verkauft worden waren, muss als besonderes Rarissimum angesehen werden: wie Sturminger richtig schreibt, fehlt er in allen öffentlichen Wiener Bibliotheken und war auch in keiner Bibliographie verzeichnet.

Jetzt konnte im Zuge der Aufarbeitung der Nachlassbibliothek Sturmingers, die nach seinem Tod in die Wienbibliothek gelangte, das Original des Druckes von 1672 wiederaufgefunden werden. Es handelt sich dabei um einen gefalteten, jedoch noch ungebundenen und ungeschnittenen Druckbogen mit einer typisch barock anmutenden Titelei und hübscher Schlussvignette. Seine Vergangenheit als Einbandmakulatur kann die Flugschrift allerdings nur schwer verheimlichen: der Einbandkleister sorgte für eine starke Braunverfärbung des Papiers, zahlreiche Fraßgänge verraten die zerstörerischen Aktivitäten der Larve des Gemeinen Nagekäfers, auch als Holzwurm bekannt.

Formal ist das Fitzing von Fitzingheimbsche Poem in 18 Strophen untergliedert, von denen jede mit einem launigen Attribut auf die "Policey" endet. Wenn diese im Text als "sittlich, nutzlich, wirthlich, häußlich", ja sogar als "heylig" bezeichnet wird, so sind hier freilich nicht die Exekutivkräfte des Innenministeriums gemeint, wie man den Begriff heute verstehen würde. Vielmehr bezieht sich das Gedicht auf die im barocken Österreich in regelmäßigen Abständen neu publizierten Kleiderordnungen ("Policey-Ordnung"), die auf eine Regulierung der als unstandesgemäßen empfundenen Modetrends im Allgemeinen abzielte und gegen die als fremd empfundenen, französischen Mode im Speziellen gerichtet war: "Vorhin schier im gantzen Land / Minder Stand und Orden / Sich verkleydte / pfuy der Schand! Ist Frantzösisch worden ..."