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22. Mai 2012, 19.00 Uhr

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Neuerwerbungen Mai 2009

Kyrill und Method in Wien

Frontispiz mit Kyrill und Method

Kyrill und Method in Wien

Im Antiquariatshandel konnten vier Wiener Predigtdrucke des 18. Jahrhunderts zu Ehren der beiden Slawenapostel und mährischen Landespatrone Kyrill und Method erworben werden.

Die schmalen Quartbroschüren wurden allesamt bei Johann Peter von Ghelen in Wien gedruckt und von einer gewissen "mährischen Landesgenossenschaft" herausgegeben. Vermutlich handelte es sich dabei um eine ständische Vertretung des Landes Mähren in der Residenzstadt; auch Landesgenossenschaften anderer Länder, wie die der Tiroler, Kärntner, aber auch der Schwaben und Franken in Wien veranstalteten ähnliche Feiern und gaben zu diesem Anlass Druckschriften zu Ehren ihrer Landespatrone heraus. Wie alle diese hatten auch die Mährer in Wien ihre "eigene" Kirche, an der die Messen gelesen wurden, nämlich die Michaelerkirche. Ob es sich bei den Predigern, die aus den verschiedensten Orden und Kirchen Wiens stammten, auch um mährische Landsleute handelte, ist nicht bekannt; jedenfalls sind nur Predigten in deutscher Sprache erhalten.

Besonders hervorzuheben ist die "Lobrede auf die heiligen Erzbischöfe Cyrillus und Methodius" von Joseph Schneller aus dem Jahre 1775, die über ein wunderschönes, spätbarockes Frontispiz verfügt. Umrahmt von einer Rocaille thronen die Heiligen Kyrill und Method auf einer Wolke, umgeben von Ihren bischöflichen Attributen Mithra, Krummstab und Pektorale sowie – als slawische Bibelübersetzer – einem Buch. Während eine Frauengestalt, die verblüffend an die Darstellungen Maria Theresias erinnert, vermutlich aber eine Allegorie des Landes Mähren darstellen soll, den beiden Bischöfen ein Flammenherz entgegenstreckt, schwebt über ihnen ein Engel, der das Marienbildnis aus der Michaelerkirche, eine aus Kreta stammende, 1673 gestiftete Ikone, im Strahlenkranz präsentiert. Im rechten unteren Eck befindet sich eine kleine Vedute Wiens: man erkennt die Bastei, den Stephansdom sowie zwei weitere Kirchen, allem Anschein nach die Minoriten- und die Michaelerkirche.

Zusammen mit den bereits an der Wienbibliothek vorhandenen Kyrill- und Method-Drucken sind die neu erworbenen Stücke nicht nur hervorragende Quellen für die Heiligenverehrung im barocken Wien, sondern schreiben – lange bevor die Zuwanderung aus Böhmen und Mähren zu einem Massenphänomen und Wien zu der an Einwohnern größten tschechischen Stadt wurde – auch ein Stück Geschichte des "böhmischen" Wien.
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