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farbige Illustration, die einen Fiaker vor einer Holzhütte, umgeben von Wild, im Wald zeigt
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Im Lesesaal mit:
Fotografie von Julia Köstenberger
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Objekt des Monats Juli 2016: Der Sommer ist da! Auf ins Bad! Ein Straßenbahnplakat

Ernst Ludwig Franke: Im Wienerwald, das neue große Edenbad / Rohrerbad. Wien, Eduard Sieger, 1932, Signatur P-65129

Sobald die Temperaturen steigen und die Wiener Bäder am 1. Mai ihre Pforten öffnen, strömen die Stadtbewohner und -bewohnerinnen zum Wasser. Neben dem Lieblingsbad darf es auch gerne mal was Neues sein und so buhlen die Bäder um Badegäste. So geschehen auch 1932. In den Wiener Straßenbahnen wurde der Besuch zweier im Wienerwald liegender Bäder beworben.

Die Besonderheit des Mediums Straßenbahnplakat besteht neben seiner physischen Erscheinung mit der normierten Abmessung von 34 x 37 cm in dem psychologisch nutzbaren Umstand des Faktors Zeit. Während ein Plakat im Straßenbild binnen Sekunden erfassbar und seine Botschaft entsprechend abgefasst sein muss, waren die Umweltbedingungen in der Straßenbahn, in Zeiten als es noch keine Ablenkung durch Mobiltelefone gab, andere. Die Passagiere saßen oder standen, starrten vor sich hin oder ließen ihren Blick zu den kleinformatigen Plakaten über den Sitzplätzen bzw. Köpfen der anderen Fahrgäste schweifen, und es war einen Augenblick länger Zeit, um daran hängen zu bleiben.

Unbeschränkte Badezeit

So kann man sich vorstellen, wie im Frühjahr 1932 das Bäderplakat als Inspirationsquelle für den nächsten Ausflug ins Grüne und zum kühlen Nass dienen konnte. Als Anreiz für die Fahrt in den Wienerwald sollten die unbeschränkte Badezeit und die Darstellung des Badevergnügens wirken.

Unter blühenden Kastanien genießen zwei Frauen in schwarzen Badeanzügen den Schatten und schauen in Richtung Schwimmbecken, das von mehreren sitzenden und stehenden Personen umgeben ist. Eindrucksvoll und modern der Sprungturm am vorderen Beckenrand. Ob es sich bei der Darstellung um das Eden- oder das Rohrerbad handelt, ist nicht ersichtlich.

Spiel mit Licht und Schatten

Für die Plakatgestaltung zeichnete Ernst Ludwig Franke (* 23. August 1886 Wien, † 28. Dezember 1948 Wien) verantwortlich, der als Maler, Plakatkünstler und Werbegraphiker tätig war. In seinem sachlichen Plakatstil schuf er u. a. Plakate für "Piatnik-Spielkarten", Inserate für "Böhler-Stahl" sowie das Markenzeichen für "Wiener Gaskoks". Auch das hier gezeigte Plakat setzte Franke in seiner klaren Linienführung um. Als Vergleichsbeispiele und zur Illustration seines Entwurfsstil werden hier zwei weitere Straßenbahnplakate abgebildet, eines zur Bewerbung des Palace Hôtel in Abbazia und eines für das Café-Restaurant am Cobenzl. Beide zeigen, wie das Spiel mit Licht und Schatten und voneinander abgesetzte Farbflächen eine räumliche Tiefe bei klaren Konturen entstehen lassen (siehe unten).

Bei den beiden am Objekt des Monats Juli beworbenen Bädern handelte es sich um Privatbäder, die heute nicht mehr existieren bzw. nicht mehr öffentlich zugänglich sind.

Das Edenbad (14, Amundsenstraße 3) war bereits nach dem Ersten Weltkrieg ein beliebtes Waldbad und mit drei Schwimmbecken und einer Kantine ausgestattet. Grundeigentümer war das Schottenstift. Anfang der 1960er Jahre kamen das Bad, das immer mehr verfallen war, und das gesamte Areal in Privatbesitz und es wurde in etwa fünfzig Teilflächen verpachtet. Der 1966 gegründete Verein "Interessengemeinschaft Edenbad" stellte bis Ende 1971 die Anlage fertig, die heute Wohnungseigentum ist.

Das Areal des Rohrerbades (17, Rohrbadwiese/ Exelbergstraße) wurde 1978 wieder dem Schwarzenbergpark eingegliedert und zu einem großen Kinderspielplatz umgewandelt.

Straßenbahnplakate

Die Plakatsammlung der Wienbibliothek verwahrt über 12.500 Plakattitel im Format des sogenannten Straßenbahnplakats. Seinen Namen erhielt das Format aufgrund seines Anbringungsorts in den Verkehrsmitteln der Wiener Linien, primär in den Straßenbahnen.

Die neuen Garnituren der Wiener Straßenbahnlinien sowie die Busse und U-Bahnen verfügen aktuell über Werbeflächen neuen Formats von rund 20 x 41 cm. Derzeit sind beide Formate in den Fahrzeugen der Wiener Linien in Verwendung.

Quellen

Archiv der Objekte des Monats 2016

Ernst Ludwig Franke: Abbazia Palace Hotel. Wien, o.V., 1925, 34 x 35,5 cm, Signatur P-65113
Ernst Ludwig Franke: Kobenzl H. Hübner. Wien, o.V., 1927, 34 x 36 cm, Signatur P-9630