Objekt des Monats September 2010
Josef Kainz zum 100. Todestag
Am 20. September 1910 starb der meist gefragte Schauspieler seiner Zeit Josef Kainz. Die Fotografie zeigt den damals 38-jährigen Charakterdarsteller, der dem bekannten Geographen und Bibliographen Friedrich Umlauft seinen Dank für dessen Freundschaft ausdrückt.
Josef Kainz: Fotografie (Karte an Friedrich Umlauft)
Berlin, Jänner 1896
11 x 16,5 cm
Signatur: H.I.N. 36802
Gefeierter Schauspieler
Die Handschriftensammlung verfügt über einen umfangreichen Bestand zu Josef Kainz (geb. am 2. Jänner 1858 in Wieselburg, Ungarn). Kainz, der große Triumphe als Hamlet, Tartuffe, Franz Moor, Richard III. oder Don Carlos gefeiert hatte, debütierte im Jahr 1873 am Sulkowskitheater in Matzleinsdorf und kam über Engagements am Neuen Stadttheater Leipzig zu den Meiningern, wo er als Ferdinand in Schillers „Kabale und Liebe“ sowie in der Titelrolle von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ reüssierte. Nach einem Engagement am Münchener Hoftheater wurde er an das neugegründete Deutsche Theater Berlin verpflichtet, wo er seine Karriere mit Romeo in Shakespeares „Romeo und Julia“ sowie Leon in Grillparzers „Weh dem, der lügt“ fortsetzte. 1889 wechselte Kainz an das Berliner Theater. Es folgten Gastspiele u.a. in die USA; von 1899 bis zu seinem Tod war Kainz Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, wo er u.a. den Marc Anton in Shakespeares „Julius Cäsars“ spielte. Kainz starb kurz nach seiner Ernennung zum Hoftheaterregisseur.
Telegramm an Ernst Welisch
Das Telegramm aus dem Jahr 1907 richtet sich an den Librettisten Ernst Welisch, der zu diesem Zeitpunkt Oberregisseur am 1905/06 neu eröffneten Neuen Schauspielhaus in Berlin war. Für das Theater bedeutete es einen großen Erfolg, den berühmtesten Schauspieler der Zeit u.a. mit dessen Eigenbearbeitung von Beaumarchais' "Der Barbier von Sevilla" (1907) mit einem Gastspiel zu gewinnen. Kainz kündigt seine Ankunft in Berlin für den 22. Februar 1907 an. Die ersten Worte des Telegramms "acceptiere automops" beziehen sich auf Kainz’ Wunsch nach einem eigenen Auto. Bereits in früheren Briefen erkundigt er sich, wie es denn mit dem "Automops" stehe, und drängt Welisch mit den Worten "Vergessen Sie mein Automobil nicht".
Josef Kainz: Telegramm an Ernst Welisch
20. Februar 1907
1 Blatt, 24,5 x 21 cm
Signatur: H.I.N. 92688
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