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28. Mai 2013, ab 19.00 Uhr

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Objekt des Monats Oktober 2012

Tschiang Kai-schek

Widmungsfotografie Tschiang Kai-scheks für Otto Molden, 27. April 1970. Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, Nachlass Otto Molden, ZPH 1532. Der Nachlass wurde Ende 2011 erworben und befindet sich noch in Bearbeitung.

„Tschiang Kai-scheks Gesicht ließ keine näheren Schlüsse auf sein Alter zu. Ich hätte ihn für sechzig Jahre gehalten, wenn ich nicht gewusst hätte, dass er einundachtzig ist. Seine glatte, straff gespannte Gesichtshaut zeigte lediglich um die Augen herum feine kleine Falten. Diese Augen waren sehr braun und sympathisch und hatten einen auffallend samtenen Schimmer.“ Als Otto Molden (1918–2002) die Physiognomie Tschiang Kai-scheks (1887–1975) für die Autobiographie „Odyssee meines Lebens“ (Wien, München 2001) beschrieb, hatte er wohl jene Fotografie vor Augen, die ihm der „Generalissismus“ – laut Transkription der linken Spalte chinesischer Schriftzeichen am 27. April 1970 – gewidmet und die beim Beschenkten – siehe die rechte Spalte, dort steht Otto Molden – viele Jahre lang einen Ehrenplatz in seinem Arbeitszimmer eingenommen hatte.

In seinen Memoiren verriet Molden auch, dass er Tschiang Kai-schek schon in der Schule als Reformator und Einiger Chinas verehrt hatte, ja dass dieser „harte Fels“ (was „Kai-schek“ im Deutschen heißt), gar der „Auslöser meiner Vision von einem geeinten Europa“ gewesen sei.

Erstmals waren sich beide im Oktober 1967 begegnet, als Molden in seiner Eigenschaft als Präsident der „Europäischen Föderalistischen Partei Österreichs“ (EFP) vom Oberhaupt Nationalchinas empfangen wurde. Schon bei der Arbeit an seinem Buch „Zweikampf um das Gelbe Reich“ (München, Wien, Zürich 1968) war in Molden die Idee einer Organisation gereift, die den Austausch zwischen Nationalchina und dem alten Europa intensivieren sollte. Diesen Plan trug er anlässlich seines Besuches auf der Insel Taiwan vor, wohin sich Tschiang Kai-schek 1949 mit seiner Armee auf der Flucht vor Maos Truppen geflüchtet hatte. „Daraufhin fragte mich Tschiang Kai-schek“, erinnert sich Molden, „der sichtlich von diesen Ausführungen beeindruckt war, ob ich bereit wäre, ihm für Mitteleuropa beratend im oben genannten Sinne zu helfen und die Durchführung einer solchen Kampagne zu übernehmen. Da ich diese Aufforderung als höchst ehrenvoll empfand, erklärte ich mich zu einer solchen Tätigkeit bereit.“ Das Resultat war das „Komitee für Chinesisch-Europäische Zusammenarbeit“, dessen Rolle er Tschiang Kai-scheks Adoptivsohn Wego (1916–1997) in einem Brief vom 13. Juli 1972 so beschrieb: „Die Hauptaufgabe dieses Komitees, welches zum ersten Mal versucht Ihr Land und die Ideen Ihres Vaters und Ihrer Regierung im freien Europa objektiv darzustellen und bekanntzumachen, scheint mir darinzuliegen sozusagen eine Informationsoffensive auf längere Sicht im freien Europa über die Situation im Fernen Osten und insbesondere über die Republik China und die wahre Lage in Rotchina durchzuführen. Wobei ich betonen möchte, daß das Komitee keine Propaganda macht, sondern bestrebt ist objektive Information von hohem Niveau an die Führungskräfte des freien Europa zu übermitteln.“

Mit Generalleutnant Chiang Wei-kuo – auch Wego – pflegte Molden eine regelmäßige Korrespondenz, was auch daran lag, dass er sich mit seinem Briefpartner mühelos austauschen konnte: „Die Tatsache, dass Tschiang Wego von 1937 bis 1939 zuerst in einem deutschen Jägerregiment diente, dann eine Kriegsschule in München besuchte und schließlich einen Zug Tiroler Gebirgsjäger anführte, hatte uns die Verständigung wesentlich erleichtert, da dieser vielseitig interessierte General fließend Deutsch mit einem leichten österreichischen Akzent sprach.“ Ein Treppenwitz der Weltgeschichte hingegen ist, dass Wego als Panzerkommandant der Deutschen Wehrmacht den „Anschluss“ Österreichs mitgemacht haben soll, während Otto Molden am 13. März 1938 – es war sein 20. Geburtstag – verhaftet worden war. Ob man sich über die chinesisch-deutsche Kooperation während des Dritten Reichs auch freundschaftlich ausgetauscht hat? Dem „Komitee für Chinesisch-Europäische Zusammenarbeit“ jedenfalls war nur ein kurzes Leben beschieden, wie man Moldens Memoiren entnehmen kann: „Meine Beratertätigkeit endete mit dem Tod Tschiang Kai-scheks am 5. April 1975.“


Objekte aus vergangenen Monaten

September 2012: Filmplakate aus der Wienbibliothek

August 2012: Der Zweyte Theil Der Zauberflöte unter dem Titel Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen.

Juli 2012: Ein Bild aus den Wiener Sommertagen: Volks- und Luftbäder der Wiener in den Donauauen.

Juni 2012: Im Garten von Janowitz. Projekt zur Neuorganisation des Karl Kraus-Archivs an der Wienbibliothek hat am 1. Juni 2012 begonnen

Mai 2012: Am 25. Mai 1862 starb Johann Nepomuk Nestroy in Graz. Die Handschriftensammlung der Wienbibliothek verfügt über seinen Nachlass

April 2012: Zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt. Böhm. Collection Klimt Dekorstoffe

März 2012: Hermann Leopoldi: Der sogenannte "Judenspiegel" der AKM - ein Dokument der Verfolgung

April 2012: Zum 150. Geburtstag von Gustav Klimt. Böhm. Collection Klimt Dekorstoffe

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Februar 2012: Louis Treumann (1872–1943) als Graf Danilo in Franz Lehárs „Die lustige Witwe“

Jänner 2012: Die lustige Witwe. Die Wienbibliothek im Rathaus erwirbt wertvolle Manuskripte zu Lehárs berühmtester Operette „Lippen schweigen, ‚s flüstern Geigen“

Dezember 2011: Marcell Horace Frydmann Prawy. Neues aus dem Nachlass

November 2011: Zum 25. Todestag des österreichischen Schriftstellers Hermann Schürrer

Oktober 2011: Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt

September 2011: Zum 25. Todestag von Helmut Qualtinger

September 2011: Zum 60. Geburtstag von Rudi Klein

August 2011: Zum 150. Geburtstag von Johann Viktor Krämer

Juli 2011: Sinalco macht durch Früchte frisch! Getränkeplakate der 60er Jahre

Juni 2011: Der letzte "Hetzzettel" vom 1. September 1796

Mai 2011: Zum 100. Geburtstag von Fritz Hochwälder "Der Himbeerpflücker"

April 2011: 150. Geburtstag von Charles Weinberger

März 2011: 150. Geburtstag von Bürgermeister Richard Weiskirchner

Februar 2011: Wintersports in Austria, um 1955. Österreichische Verkehrswerbung Wien, Grafik von Paul Aigner

Jänner 2011: Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger von 1859 bis 1942

Dezember 2010: H. C. Artmann an Peter Rosei, Postkarte vom 23. März 1981

November 2010: Über die lange Tradition des Stammbuchschreibens

Oktober 2010: Weinbau und Weinherstellung

September 2010: Josef Kainz zum 100. Todestag

August 2010: Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen in Wien

Juli 2010: Gustav Mahler: "Spielmann", erster (ursprünglich zweiter) Satz aus der Kantate "Das klagende Lied" für Soli, Chor und Orchester

Juni 2010: Schuss durchs Fenster, 1950. Filmplakat von Eduard Paryzek senior

Mai 2010: Der Fall Adolf Hofrichter

April 2010: Oskar Grohe: Juli-Nacht

März 2010: Karl Lueger zum 100. Todestag am 10. März

Februar 2010: Die II. Internationale Flugwoche vom 15. bis 22. Juni 1913 in Wien-Aspern

Jänner 2010: Elisabeth Epp zum 100. Geburtstag

Dezember 2009: Der Weihnachtsbaum.

November 2009: Frühneuzeitliche Spielkarten.

Oktober 2009: "Hirnhäusl": Zum 70. Geburtstag von Joe Berger.

September 2009: Josef Matthias Hauer: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen.

August 2009: Werbeplakat Wispo Lastex Badeanzüge

Juli 2009: Die römische Reise von Bundeskanzler Dollfuß 1934

Juni 2009: Kalender aus dem frühneuzeitlichen Wien

Mai 2009: Stimmen-Abschrift der Messe in Es-Dur von Joseph Haydn

April 2009: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch

März 2009: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht

Februar 2009: Autograph von Bernhard Frankfurter

Jänner 2009: Notenhandschriften Ferdinand Raimunds