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22. Mai 2012, 19.00 Uhr

Ravagiana: Hermann Leopoldi und die neuen Medien
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für (Musik)handschriften am 22. Mai 2012
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Am 25. Mai 1862 starb Johann Nepomuk Nestroy in Graz.
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Objekt des Monats Mai 2010

Hofrichter unterschreibt nach seinem Geständnis das Protokoll, 1910 (Bildgröße: 150x187 Pixel)

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Hofrichter unterschreibt nach seinem Geständnis das Protokoll, 1910

Retuschiertes Foto. Maße: 20,3 x 15,6 / Fotosammlung Tagblatt
Aus der rund 10.000 Fotos umfassenden Sammlung des „Wiener Tagblattarchivs“

Nicht jeder große Kriminalfall der Geschichte weist die gesellschaftliche Sprengkraft der Dreyfus-Affäre auf und spaltet eine ganze Nation bis hin zu bitterster Gegnerschaft. Doch in der österreichischen Kriminalgeschichte, nimmt der „Fall Adolf Hofrichter“ unstrittig einen singulären Platz ein, wie die Sammlung an Presseartikel des Tagblattarchivs der Wienbibliothek eindrucksvoll beweist. Der Prozess Adolf Hofrichter, der sich vor genau 100 Jahre zutrug und die k u. k. Monarchie, allen voran ihre Armeeführung erschütterte, war einer der spektakulärsten seiner Zeit. Er nährte Verschwörungstheorien aller Art und befeuerte die Phantasien der Menschen. Der Fall Hofrichter bot den heimischen Gazetten Stoff bis in die Gegenwart und war Thema zweier Verfilmungen.

Aber kommen wir zum Fall Hofrichter und somit zu unserem Objekt des Monats. Am 17. November 1909 wird der Hauptmann im Generalstab Richard Mader tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der mutmaßliche Täter wird schnell ausgemacht: Von 23. bis 25. Mai 1910 steht der Oberleutnant des k.u.k Infanterieregiments Nr. 14, Adolf Hofrichter, vor einem Militärgericht in Wien, wo ihm der Mord an Mader zur Last gelegt wird. Mader, so die Nachforschungen der Polizei, war an einer Dosis Zyankali zu Tode gekommen. In seiner Wohnung finden die Ermittler eine Briefsendung eines gewissen Charles Francis, der sich als Pharmazeut ausweist. Inhalt lt. Begleitschreiben: ein Potenzmittel, tatsächlich handelt es sich um Zyankali. Aber damit nicht genug: Wie die Fahnder herausfinden, wurden die Giftbriefe neben Mader an 11 weitere Offiziere des Generalstabes verschickt – dank Warnung überleben sie das ‚Attentat’. Und: Einen Charles Francis gibt es nicht. Mit einem Wort: Ein perfekt durchdachtes Verbrechen und die Gerüchteküche brodelt. Ist der Giftanschlag auf die Offiziere des Generalstabes das Werk einer fremden Macht, von Anarchisten geplant oder gar die Tat eines Irrsinnigen, wie die Gazetten mutmaßen? Nein, sagt der Leiter der Wiener Kriminalpolizei, Regierungsrat Stukart, der den Täter im Kreis des Ausmusterungsjahrgangs 1905 vermutet, die nicht in den Generalstab berufen worden sind. Darunter auch Oberleutnant Adolf Hofrichter. Er hat ein Motiv, das er allerdings mit seinen Kameraden teilt. Zum Tatverdächtigen machen ihn aber vor allem eine Reihe von Indizien, die auch die Grundlage der Prozessführung bilden und immer wieder Zweifel an seiner Schuld aufkommen lassen. Der Journalist und spätere Vizbürgermeister von Wien Max Winter, zeigt eine ganze Reihe von Widersprüchen der Ermittler auf, die das Gebäude an Indizien ins Wanken bringen. Für Verwirrung sorgt aber vor allem Hofrichter selbst: Zuerst unterschreibt er sein Geständnis, widerruft es aber bald darauf und entgeht damit der Verurteilung zum Tod. Das Urteil: 20 Jahre Kerker. Hofrichter sitzt bis zum Ende der Donaumonarchie in der Militärstrafanstalt Wöllersdorf ein. Unter seinem neuen Namen Adolf Richter führen ihn seine Wege nach Paris und Prag. 1928 lässt er sich in Wien nieder, wo er 1945 stirbt.

Wer also ist der Mörder des Hauptmann Richard Mader? Wir wissen es bis heute nicht! Auch wenn viel für die Schuld von Hofrichter spricht, so bleiben doch Zweifel bestehen. Und diese Zweifel sind es, die den Fall Adolf Hofrichter zu einem der rätselhaftesten in der österreichischen Kriminalgeschichte machen.


Objekte aus vergangenen Monaten

April 2010: Oskar Grohe: Juli-Nacht

März 2010: Karl Lueger zum 100. Todestag am 10. März

Februar 2010: Die II. Internationale Flugwoche vom 15. bis 22. Juni 1913 in Wien-Aspern

Jänner 2010: Elisabeth Epp zum 100. Geburtstag

Dezember 2009: Der Weihnachtsbaum.

November 2009: Frühneuzeitliche Spielkarten.

Oktober 2009: "Hirnhäusl": Zum 70. Geburtstag von Joe Berger.

September 2009: Josef Matthias Hauer: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen.

August 2009: Werbeplakat Wispo Lastex Badeanzüge

Juli 2009: Die römische Reise von Bundeskanzler Dollfuß 1934

Juni 2009: Kalender aus dem frühneuzeitlichen Wien

Mai 2009: Stimmen-Abschrift der Messe in Es-Dur von Joseph Haydn

April 2009: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch

März 2009: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht

Februar 2009: Autograph von Bernhard Frankfurter

Jänner 2009: Notenhandschriften Ferdinand Raimunds