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Objekt des Monats Mai

Joseph Haydn (zugeschrieben): Messe in Es-Dur, Stimmen-Abschrift von unbekannter Hand (um 1770)

Joseph Haydn (zugeschrieben):  Messe in Es-Dur, Stimmen-Abschrift von unbekannter Hand (um 1770)

Messe in Es-Dur, Stimmen-Abschrift von unbekannter Hand (um 1770)

14 Stimmen (Schluss der 2. Violine fehlt), 39 Blatt, 40x20 cm, Musiksammlung, Signatur: MHf 21194

Die Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus besitzt neben wertvollen Haydn-Autographen zahlreiche Erstdrucke und Abschriften. So findet sich im Nachlass der Familie Leeder der handschriftliche Stimmensatz einer Joseph Haydn zugeschriebenen Messe. Format und Beschaffenheit des Papiers, händische Rastrierung sowie Noten- und Textschrift lassen erkennen, dass es sich um ein vor 1800 verfertigtes Manuskript handelt.

Die stark verzierte Initiale des Kyrie wurde mit Hilfe eines Stempels mit blauer Farbe auf jede Stimme aufgebracht; sie trägt das Monogramm „A. F“. Ob der eigentliche handschriftliche Teil von der gleichen Person angefertigt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Besonderes Interesse erweckt der Vermerk „Auth[ore] Haydn“. Im Hoboken-Verzeichnis, dem thematisch-bibliografischen Katalog der Werke Joseph Haydns, ist diese Komposition unter Gruppe XXII: Es10 verzeichnet.

Bisher war nur eine einzige Quelle der Messe bekannt, nämlich ein weiterer Stimmensatz, der im Nationalmuseum in Prag aufbewahrt wird. Dorthin gelangte das Manuskript über die Sammlung Ondrej Horníks; ursprünglich stammt es aus Skalitz (Ceská Skalice). Die auf jenem Manuskript angebrachte Zuschreibung „Auth. Dom Josepho Haydn“ war bislang der einzige Hinweis, dass das Werk möglicherweise aus dessen Feder stammt.

Als gesichert gilt Haydns Autorschaft freilich nicht. Das Hoboken-Verzeichnis weist insgesamt 111(!) sogenannte unechte Haydn-Messen aus, davon allein 18 in Es-Dur. Haydn war der berühmteste Komponist seiner Zeit; sein Name als Verfasser förderte die Verbreitung eines Musikwerks. Es ist daher nicht verwunderlich, dass man ihm zahlreiche fremde Kompositionen unterschob. Ob das tschechische und das Wiener Manuskript von einer heute verschollenen dritten Quelle stammen oder ob eines vom anderen abgeschrieben wurde, ist noch nicht erforscht. Der in der Wienbibliothek aufbewahrte Stimmensatz wurde von Karl Friedrich Leeder (1817–1910), einem Verwaltungsbeamten und Güterverwalter der Grafen Hoyos-Sprinzenstein, mit einem Umschlag samt eigenhändigem Besitzvermerk versehen.

Die Familie Leeder hatte eine starke Neigung zu den Künsten, insbesondere zur Musik. Karl Friedrich fertigte viele Klavierauszüge, vor allem von Kirchenmusikwerken, an; sein Sohn Carl, ein bekannter Forstwissenschaftler, dilettierte als Komponist von Tanzmusik. Tochter Tessi war Schauspielerin, ihre Schwester Marie Opernsängerin und später mit dem bekannten Germanisten Wilhelm Scherer verheiratet. Ursprünglich stammte die Familie aus dem unweit von Skalitz gelegenen Arnau (Hostinné) in Nordböhmen. Möglicherweise ist hier ein Zusammenhang zwischen den beiden Manuskripten der Haydn-Messe zu suchen.

Die Wienbibliothek im Rathaus zeigt derzeit in Kooperation mit dem Mozarthaus Vienna die Haydn-Ausstellung "Chi vive amante... Ich weiß, dass derjenige, der als Liebhaber lebt, verrückt ist". Sämtliche Exponate stammen aus der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Ausstellung: http://www.mozarthausvienna.at


Objekte aus vergangenen Monaten

April: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch

März: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht

Februar: Autograph von Ferdinand Frankfurter

Jänner: Notenhandschriften Ferdinand Raimunds