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Objekt des Monats März 2012

Erste Seite des "Judenspiegels", erstellt 1938/39

Signatur: A 91314 DS, WB

Die AKM, die „Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger“, wurde 1897 gegründet und ist eine der ältesten Verwertungsgesellschaften Europas. Sie vertritt gemeinsam mit der 1934 entstandenen AustroMechana, zuständig für mechanische Rechte (damals vor allem Schallplatten), auch heute noch die Urheberrechte ihrer Mitglieder.

Als Österreich sich 1938 widerstandslos an NS-Deutschland anschloss, hatte diese Selbstaufgabe den Ausschluss der jüdischen Mitglieder beider Organisationen zur Folge. Diese wurden im gedruckten Mitgliederverzeichnis der AKM von 1937 fein säuberlich mit einem rotem Buntstift ausgestrichen. Von 1.266 Mitgliedern der Gesellschaft waren 531 Personen, das sind rund 42%, betroffen (die Zahlen treffen annähernd auch für die AustroMechana zu, da sie eng mit der AKM verbunden war).

Zu den Ausgeschlossenen gehörten auch Hermann Leopoldi und sein Bruder Ferdinand, über deren Schicksale in der Zeit des Nationalsozialismus die Ausstellung „Die drei Wien des Hermann Leopoldi“ (ab 20. März) in der Wienbibliothek berichten wird.
Hermann Leopoldi gelang nach seiner Anhaltung in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald die Flucht in die Vereinigten Staaten, während Ferdinand Leopoldi 1944 in Wien an den Folgen der in Gestapo-Haft erlittenen Folter starb.

Gemeinsam mit Fritz Löhner-Beda, einem der Vizepräsidenten der AKM bis 1938, schrieb Leopoldi im KZ Buchenwald den berühmten „Buchenwälder Marsch“ (auch als Buchenwald-Lied bekannt). Löhner-Beda, der übrigens auch Librettist Franz Lehárs war, wodurch eine Anknüpfung an das vorige Objekt des Monats (ein Foto des ebenfalls ermordeten jüdischen Schauspielers Louis Treumann als Danilo in Lehárs Operette „Die lustige Witwe“) hergestellt ist, wurde 1942 in Auschwitz ermordet.


Noch im Sommer 1938 trat die deutsche STAGMA, die „Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte“ die Rechtsnachfolge der AKM an. Obwohl die jüdischen Künstler verfemt und vertrieben waren, wurden sie zumindest zum Teil noch gespielt und es fielen Tantiemen an. Die der STAGMA unterstellte AMMRE (Anstalt für mechanisch-musikalische Rechte, das Äquivalent der AustroMechana), jetzt höchstwahrscheinlich auch zuständig für die ehemaligen Austro-Mechana Mitglieder, nahm beispielsweise 1941/42 für 344 vertriebene Komponisten beträchtliche Gebühren ein. Dazu zählten auch die AKM-Mitglieder Franz Waxmann (RM 26.329,76.-), Walter Jurmann (RM 18.444,44.-), Emmerich Kalman (RM 14.842,94.-) und Bronislav Kaper (RM 13.631,05.-).

Der Großteil dieser Tantiemen fiel im Ausland an, da „jüdische“ Musik im Dritten Reich verboten war und nur von Juden gehört werden durfte. Nicht selten wurden Werke von jüdischen Komponisten und Textdichtern anonymisiert, wenn deren weitere Aufführung dem NS-Regime wünschenswert war, wie beispielsweise die von Fritz Löhner-Beda stammenden Libretti der Operetten Franz Lehárs.

Die anfallenden Gelder fielen auf Grund der „11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 25. November 1941 an den Staat. Die Verordnung bestimmte, dass ein Jude mit Wohnsitz außerhalb der Reichsgrenzen nicht Staatsangehöriger sein und sein Vermögen deshalb vom Reich „beschlagnahmt“ werden könne. Sie wurde insbesondere auch auf jene Menschen angewendet, die in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. Da diese meist außerhalb des Reichsgebietes lagen, hatten die Deportierten ihren Wohnsitz nun – wie die Exilanten – im „Ausland“.

Die Geschichte von AKM und AustroMechana im Wandel von „Arisierung“ und Neugründung wird zur Zeit von den Kuratoren der Ausstellung „Die drei Wien des Hermann Leopoldi“, Georg Traska und Christoph Lind, erforscht.


Objekte aus vergangenen Monaten

Februar 2012: Louis Treumann (1872–1943) als Graf Danilo in Franz Lehárs „Die lustige Witwe“

Jänner 2012: Die lustige Witwe. Die Wienbibliothek im Rathaus erwirbt wertvolle Manuskripte zu Lehárs berühmtester Operette „Lippen schweigen, ‚s flüstern Geigen“

Dezember 2011: Marcell Horace Frydmann Prawy. Neues aus dem Nachlass

November 2011: Zum 25. Todestag des österreichischen Schriftstellers Hermann Schürrer

Oktober 2011: Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt

September 2011: Zum 25. Todestag von Helmut Qualtinger

September 2011: Zum 60. Geburtstag von Rudi Klein

August 2011: Zum 150. Geburtstag von Johann Viktor Krämer

Juli 2011: Sinalco macht durch Früchte frisch! Getränkeplakate der 60er Jahre

Juni 2011: Der letzte "Hetzzettel" vom 1. September 1796

Mai 2011: Zum 100. Geburtstag von Fritz Hochwälder "Der Himbeerpflücker"

April 2011: 150. Geburtstag von Charles Weinberger

März 2011: 150. Geburtstag von Bürgermeister Richard Weiskirchner

Februar 2011: Wintersports in Austria, um 1955. Österreichische Verkehrswerbung Wien, Grafik von Paul Aigner

Jänner 2011: Lehmann’s Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger von 1859 bis 1942

Dezember 2010: H. C. Artmann an Peter Rosei, Postkarte vom 23. März 1981

November 2010: Über die lange Tradition des Stammbuchschreibens

Oktober 2010: Weinbau und Weinherstellung

September 2010: Josef Kainz zum 100. Todestag

August 2010: Vereinigte Eisfabriken und Kühlhallen in Wien

Juli 2010: Gustav Mahler: "Spielmann", erster (ursprünglich zweiter) Satz aus der Kantate "Das klagende Lied" für Soli, Chor und Orchester

Juni 2010: Schuss durchs Fenster, 1950. Filmplakat von Eduard Paryzek senior

Mai 2010: Der Fall Adolf Hofrichter

April 2010: Oskar Grohe: Juli-Nacht

März 2010: Karl Lueger zum 100. Todestag am 10. März

Februar 2010: Die II. Internationale Flugwoche vom 15. bis 22. Juni 1913 in Wien-Aspern

Jänner 2010: Elisabeth Epp zum 100. Geburtstag

Dezember 2009: Der Weihnachtsbaum.

November 2009: Frühneuzeitliche Spielkarten.

Oktober 2009: "Hirnhäusl": Zum 70. Geburtstag von Joe Berger.

September 2009: Josef Matthias Hauer: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen.

August 2009: Werbeplakat Wispo Lastex Badeanzüge

Juli 2009: Die römische Reise von Bundeskanzler Dollfuß 1934

Juni 2009: Kalender aus dem frühneuzeitlichen Wien

Mai 2009: Stimmen-Abschrift der Messe in Es-Dur von Joseph Haydn

April 2009: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch

März 2009: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht

Februar 2009: Autograph von Bernhard Frankfurter

Jänner 2009: Notenhandschriften Ferdinand Raimunds