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Objekt des Monats Juli 2010

Gustav Mahler: Spielmann, erster (ursprünglich zweiter) Satz aus der Kantate Das klagende Lied für Soli, Chor und Orchester

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Gustav Mahler: "Spielmann", erster (ursprünglich zweiter) Satz aus der Kantate "Das klagende Lied" für Soli, Chor und Orchester

Eigenhändige Partitur (1. Fassung), März 1880
31 Blatt (58 beschriebene Seiten), 33 x 26 cm
Signatur: MHc 4077

"Mein erstes Werk, in dem ich mich als 'Mahler' gefunden, ist ein Märchen für Chor, Soli und Orchester: Das klagende Lied! Dieses Werk bezeichne ich als Op. 1." In diesen Worten des angehenden Wiener Hofoperndirektors Gustav Mahler äußert sich die Wertschätzung des reifen Musikers für sein Jugendwerk, welches ihn lebenslang beschäftigte.

Die hier vorgestellte Partitur repräsentiert die erste, dreisätzige, Fassung des Klagenden Lieds. Sie umfasst den Mittelsatz des Werks, wobei die Takte 1 – 31 fehlen. Das Manuskript ist durch eine Fülle von Namenseintragungen und Jugendstil-Ornamenten, die alle von Mahlers Hand stammen, auch optisch bemerkenswert. Der auf der ausgewählten Seite mehrfach aufscheinende Name "Kralik" weist auf Mathilde Kralik von Meyrswalden hin, die zur selben Zeit wie Mahler am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien Komposition studierte. Die Wienbibliothek verwahrt übrigens den Nachlass ihres Bruders Richard, eines Dichterphilosophen, Historikers und Kulturpolitikers.

Mahler reichte im Herbst 1881 die Erstfassung seines Klagenden Lieds beim Beethoven-Wettbewerb der Gesellschaft der Musikfreunde ein. Neben einem Preisgeld in beachtlicher Höhe reizte ihn vor allem die Aussicht auf eine baldige Aufführung des Werks. Mahler ging jedoch leer aus, und die Premiere des Klagenden Lieds fand erst 1901 in einer mehrfach revidierten, zweisätzigen, Fassung statt. Zwar wurde das Werk vom Publikum akklamiert, doch die Presse reagierte mit Häme. Nach einer wenige Tage darauf eingetretenen gesundheitlichen Krise legte Mahler die Leitung der Philharmonischen Konzerte nieder, und die Wiedergabe des Klagenden Lieds sollte die einzige Uraufführung eines großen Mahlerschen Werks in Wien durch den Komponisten bleiben.

Das Objekt des Monats Juli ist im Original als eines der zentralen Exponate in der Ausstellung "leider bleibe ich ein eingefleischter Wiener" – Gustav Mahler und Wien im Österreichischen Theatermuseum noch bis 3. Oktober zu sehen.


Objekte aus vergangenen Monaten

Juni 2010: Schuss durchs Fenster, 1950. Filmplakat von Eduard Paryzek senior

Mai 2010: Der Fall Adolf Hofrichter

April 2010: Oskar Grohe: Juli-Nacht

März 2010: Karl Lueger zum 100. Todestag am 10. März

Februar 2010: Die II. Internationale Flugwoche vom 15. bis 22. Juni 1913 in Wien-Aspern

Jänner 2010: Elisabeth Epp zum 100. Geburtstag

Dezember 2009: Der Weihnachtsbaum.

November 2009: Frühneuzeitliche Spielkarten.

Oktober 2009: "Hirnhäusl": Zum 70. Geburtstag von Joe Berger.

September 2009: Josef Matthias Hauer: Melischer Entwurf zum Zwölftonspiel für fünf Violinen.

August 2009: Werbeplakat Wispo Lastex Badeanzüge

Juli 2009: Die römische Reise von Bundeskanzler Dollfuß 1934

Juni 2009: Kalender aus dem frühneuzeitlichen Wien

Mai 2009: Stimmen-Abschrift der Messe in Es-Dur von Joseph Haydn

April 2009: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch

März 2009: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht

Februar 2009: Autograph von Bernhard Frankfurter

Jänner 2009: Notenhandschriften Ferdinand Raimunds