Die II. Internationale Flugwoche
vom 15. bis 22. Juni 1913 in Wien-Aspern
Noch bis 26. Februar ist im Ausstellungsraum der Wienbibliothek die Ausstellung „Schwerer als Luft. 100 Jahre Motorflug in Wien“ zu sehen.
Das Objekt des Monats aus dem Tagblattarchiv stammt aus der Wiener Satirezeitschrift Kikeriki vom 29. Juni 1913. Das brandneue Thema „Fliegen“ faszinierte die Massen. Hier bildet es den Hintergrund für neun Karikaturen, die zum Teil nur peripher die Luftfahrt betreffen. Vielmehr wird damit sichtbar, wie ein aktuelles Ereignis von der Presse als Anlass genommen wird, um allgemeine gesellschaftliche Strömungen zu dokumentieren und zu kommentieren. Die Aviatik ist nur eine – vergleichsweise – kleine Männerdomäne, die Frauen damals für sich eroberten. Das neue weibliche Selbstbewusstsein, das sich im Kampf um Mitbestimmung, vor allem um das aktive und passive Wahlrecht, manifestierte, zeigte sich auch in der Damenbekleidung. In dieser Karikatur macht sich der Kikeriki über dieses sich wandelnde Frauenbild lustig. Als Role Model wählte man Lilly Steinschneider in „Reformhose“. Die attraktive Fliegerin musste es sich gefallen lassen, als hässlicher, ungelenker Vogel mit Holzflügeln karikiert zu werden. Auftrieb gibt ihr ein Luftballon. Aber auch der antisemitische Zeitgeist wird bedient. Die Karikatur zeigt entsprechende Klischees und Stereotypen: Bei der despektierlichen Darstellung des „ewigen“ Juden passiert das wie immer über das Klischee der überdimensionalen Nase. Der Gier als wesentliches Merkmal des jüdischen Hausierers kann man nicht einmal in 4.000 m Höhe entgehen. Die Verwendung des jüdischen Idioms in manchen Bildunterschriften verstärkt die antisemitische Aussage.
Die Zeitschrift Kikeriki, wurde 1861 gegründet, war zunächst liberal ausgerichtet und verschrieb sich später einem vulgären Antisemitismus. Nach dem Ersten Weltkrieg näherte sich das Blatt politisch den Deutschnationalen und seit Mitte der zwanziger Jahre auch der österreichischen NSDAP an. 1933 wurde der Kikeriki wegen seiner Parteinahme für die am 30. Januar an die Macht gelangten reichsdeutschen Nationalsozialisten von der Regierung Dollfuß verboten.
Anlass für die Karikatur war die II. Internationale Flugwoche, die vom 15. bis 22. Juni 1913 am Flugplatz Wien-Aspern stattfand. Unter den Besuchern waren auch Kaiser Franz Josef und zahlreiche Mitglieder der kaiserlichen Familie. Für die Flugveranstaltung hatten sich insgesamt 24 Aviatiker aus Deutschland, Frankreich, Peru, der Schweiz und Österreich-Ungarn, sowie zwei Pilotinnen angemeldet. Bei täglichen Wettbewerben wurden insgesamt 140.000 Kronen als Preisgeld vergeben. Besonders gespannt waren die Besucher auf die erstmals stattfindende Damenkonkurrenz. Es traten aber mit der Französin Pailliers und der Österreicherin Lilly Steinschneider nur zwei Teilnehmerinnen an. Lilly Steinschneider erhielt 1912 als zweite Österreicherin den Pilotenschein. Nach ihrer Heirat mit Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi 1914 zog sie sich auf Drängen ihres Mannes von der Luftfahrt zurück.
Bei der Flugwoche 1913 hatte sie einen Unfall, als beim Überfliegen des Flugfeldes der Motor ihres Flugzeuges plötzlich aussetzte. Es gelang der Pilotin noch, die Flugzeughallen am Flugfeldrand zu überfliegen und außerhalb des Flugplatzes zu landen. Obwohl das Flugzeug dabei schwer beschädigt wurde, konnte sich „Fräulein Steinschneider“ unverletzt aus den Trümmern befreien.
Objekte aus vergangenen Monaten
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Dezember 2009: Der Weihnachtsbaum.
November 2009: Frühneuzeitliche Spielkarten.
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April 2009: „Die Reise nach Österreich“. Hörspielreihe von Franz Hiesel und Gerhard Fritsch
März 2009: Foto aus dem Tagblattarchiv zum Frauenwahlrecht
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