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Objekt des Monats Dezember 2011

Zum 100. Geburtstag von Marcel Prawy am 29. Dezember 2011

Erkennungsdienstliche Behandlung des Emigranten Marcell Frydmann-Prawy

Erkennungsdienstliche Behandlung des Emigranten Marcell Frydmann-Prawy. Bureau of Identification, Police Department, Beverly Hills, California, 20.02.1941 (Wienbibliothek im Rathaus, Handschriftensammlung, Nachlass Marcel Prawy, ZPH 1298)

Die US-Behörden erfassen seit dem Jahr 2007 bei jedem Einreisenden die Abdrücke aller zehn Finger mittels Scanner, um durch diese biometrische Registrierung in digitaler Form sämtliche Personen, die sich in den Vereinigten Staaten aufhalten, eindeutig identifizieren zu können. Diese erkennungsdienstliche Behandlung, die primär dazu dient, um im Rahmen polizeilicher Ermittlungen Straftaten zu verhüten bzw. aufzuklären, wird seit jeher gerne auch von Ausländerbehörden praktiziert, um im Rahmen von Asylverfahren Anwendung zu finden.

Am 20. Februar 1941 hatte ein jüdischer Emigrant, der aus seiner Heimatstadt Wien geflohen war, diese Prozedur der erkennungsdienstlichen Behandlung über sich ergehen lassen müssen: Marcel Prawy (1911–2003). Zwar hatte er es als Sekretär des berühmten polnischen Tenors Jan Kiepura bis nach Beverly Hills geschafft, dem sonnigen Ort im US-Staat Kalifornien, doch auch dort gab es ein Police Department, dessen Bureau of Identification sich um die Erfassung der Flüchtlinge aus dem alten Europa kümmerte, die noch immer massenweise ins Land strömten, bis die NS-Behörden am 23. Oktober 1941 ein endgültiges Ausreiseverbot für Juden aus Deutschland sowie allen besetzten Gebieten erließen – ein weiterer Schritt auf dem Weg zum systematischen Völkermord.

Im Gegensatz zum heutigen digitalen Zeitalter hatte Prawy noch alle zehn Finger in ein Stempelkissen zu drücken, dessen Farbe nur schwer abzuwaschen war. Unter der Angabe des Namens („Marcell Frydmann-Prawy“) und der Rasse („white“) finden sich zwei Spalten für die Fingerabdrücke. Die obere Reihe ist für die linke Hand reserviert, beginnend mit dem Daumen, dann kommen die restlichen Finger. Der gleiche Vorgang wiederholte sich darunter mit der rechten Hand. Wie wichtig diese Prozedur genommen wurde, lässt sich an der eigenhändigen Unterschrift des Beamten ablesen, der die erkennungsdienstliche Behandlung vorgenommen hat.

Dass auch jüdische Emigranten ganz selbstverständlich kriminalpolizeilich überprüft wurden, zeigt ein Vermerk im linken unteren Feld, das nochmals alle Abdrücke der linken Hand enthält: Denn der rote Stempel „NO FINGERPRINT RECORD“ bedeutet schlicht, dass die Behörden Prawys Fingerabdrücke mit jener Kartei abglichen, in der die Fingerabdrücke von Straftätern aller Art versammelt waren. In diesem Register potentieller Verdächtiger hatte es allerdings keinen Eintrag zu Marcel Prawy gegeben – wer weiß, was sonst aus ihm geworden wäre.

Weiterführende Information

Ausstellung vom 1. Dezember 2011 bis 29. Februar 2012
Marcell Horace Frydmann Prawy. Neues aus dem Nachlass


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